Die Invasion in der Normandie

Am Mittag des 6. Juni 1944 empfing Hitler in Schloss Klessheim bei Salzburg Staatsbesuch aus Ungarn. Für seine Gäste hatte er eine wichtige Nachricht: Im Laufe der Nacht waren alliierte Einheiten in Frankreich an der Küste der Normandie gelandet.

Die Invasion im Westen war von der deutschen Führung seit Monaten erwartet worden. Hitler hielt sie für kriegsentscheidend. Aber auch die Westmächte wollten mit einer erfolgreichen Landung in Frankreich eine Wende herbeiführen. In diesem Aufsatz geht es um die Reaktionen der deutschen Führung zwischen Herbst 1943 und August 1944.

Vorbereitungen auf den „Tag X“

Im Dezember 1941 entschied das Oberkommando der Wehrmacht (OKW), die Küsten der von Deutschland besetzten Länder gegen eine englisch-amerikanische Landung zu sichern. 1942 konkretisierte Adolf Hitler, der Oberste Befehlshaber der Wehrmacht, die Weisung und gab Befehl, bis Mai 1943 ca. 15 000 Bunkeranlagen vom Nordkap bis zur Biskaya zu errichten. Doch es fehlten Arbeitskräfte und das nötige Material, um die Pläne zu verwirklichen. Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, der Oberbefehlshaber West (OB West), legte dem OKW im Herbst 1943 einen Bericht vor, der auf die Mängel der Küstenbefestigungen in Frankreich hinwies.

Berichte der deutschen Auslandsspionage ließen den Schluss zu, dass die Westmächte im Frühjahr 1944 auf dem Kontinent landen wollten. Am 3. November 1943 unterschrieb Hitler deshalb die Weisung Nr. 51 des OKW. Der Diktator ging davon aus, dass eine Invasion im Westen drohte. Wenn es der Wehrmacht nicht gelänge, diesen Großangriff abzuwehren, wären „die Folgen in kurzer Zeit unabsehbar“. Hitler ordnete an, dass dem Westen in Zukunft Vorrang vor der Ostfront einzuräumen wäre. Neue Truppen sollten nach Frankreich verlegt werden, um Engländern und Amerikanern eine schwere Niederlage zu bereiten.

Verfügten die deutschen Streitkräfte zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch über die erforderlichen Kräfte für eine erfolgreiche Abwehrschlacht? Deutschland befand sich in der strategischen Defensive. Im Laufe des Jahres 1943 hatte es an der Ostfront und im Mittelmeerraum nur Rückschläge gegeben. Der Chef des Wehrmachtführungsstabes, General Jodl, musste im November 1943 vor Gauleitern der NSDAP einräumen, „dass wir trotz der kürzeren Verteidigungslinien kaum in der Lage sind, mehr als eine örtliche Überlegenheit zustande zu bringen“. Eine strategische Reserve fehlte. Innerhalb des geringen Spielraums, den die deutsche Führung noch besaß, zog das Oberkommando der Wehrmacht also durchaus die richtigen Schlüsse, als es im Herbst 1943 eine Neuorientierung der deutschen Strategie forderte.

Aber Adolf Hitler als Oberster Befehlshaber ließ den Worten keine Taten folgen. Wäre die Weisung Nr. 51 konsequent umgesetzt worden, hätte die Ostfront verkürzt werden müssen, um Kräfte für die Invasionsabwehr freizumachen. Der Chef des Wehrmachtführungsstabes, General Alfred Jodl, hatte im Januar 1944 einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet: Die deutschen Armeen sollten auf die kürzeste Linie zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer zurückgenommen werden. Durch diesen Rückzug wären ca. 20 Divisionen für die Invasionsabwehr frei geworden.

Der Diktator weigerte sich jedoch, Teile Russlands freiwillig zu räumen. Mehrmals mussten in den ersten Monaten des Jahres 1944 Truppen in den Osten verlegt werden, um einen Zusammenbruch der überdehnten deutschen Linien zu verhindern. Erst im April 1944 konnte General Jodl Hitler davon überzeugen, dass im Westen eine Einsatzreserve im Sinne der Weisung Nr. 51 gebildet werden müsste. Dadurch konnten die deutschen Kräfte in letzter Minute noch verstärkt werden.

Eine wichtige Rolle bei den Vorbereitungen zur Invasionsabwehr spielte Generalfeldmarschall Erwin Rommel. Im Gegensatz zu den meisten Feldmarschällen hatte er nicht die Generalstabsausbildung absolviert. Als Kommandeur einer Panzerdivision machte er 1940 im Frankreichfeldzug Furore. 1941 betraute Hitler ihn mit der Führung des Afrikakorps, das die Italiener in Nordafrika unterstützen sollte. Rommel brachte die zahlenmäßig überlegenen Briten an den Rand einer Niederlage. Im März 1943 wurde er nach Deutschland zurückbeordert. Seine Gesundheit war angeschlagen und Hitler wollte verhindern, dass der populärste Feldmarschall des Heeres in britische Gefangenschaft geriet. Nach einem Genesungsurlaub erhielt Rommel ein Kommando in Italien, ehe sich der Diktator entschied, ihn im Westen zu verwenden.

Dort führte seit 1942 Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt den Oberbefehl. Rundstedt war ein fähiger Stratege, der an der Lagekarte entschied und den örtlichen Kommandeuren viel Freiraum ließ. Zwischen 1939 und 1941 hatte er in Polen, Frankreich und Russland erfolgreich Heeresgruppen kommandiert. Doch Rundstedt, immerhin schon 69 Jahre alt, schien für Hitler nicht mehr der richtige Mann zu sein, um alleine die Verteidigung in Frankreich zu organisieren. Dort war ein „Etappenleben“ entstanden, das einem militärischen Dienstbetrieb in Friedenszeiten glich. Das Durchschnittsalter der deutschen Soldaten betrug 37 Jahre.

Generalfeldmarschall Rommel übernahm im Januar 1944 nach Erledigung seines Inspektionsauftrages den Oberbefehl über die Heeresgruppe B in Nordfrankreich. Sie setzte sich aus der 7. Armee in der Normandie und der 15. Armee am Pais de Calais zusammen. Im Oberkommando der Wehrmacht rechnete man dort mit einer gegnerischen Landung.

Rommel wollte den alliierten Großangriff bereits am Strand abschlagen. Nach seinen Erfahrungen in Nordafrika würde die alliierte Luftwaffe weiträumige deutsche Truppenbewegungen verhindern. Er plädierte deshalb dafür, auch die wenigen Panzerdivisionen entlang der Küste aufzustellen. Rundstedt hingegen wollte angesichts der schwachen deutschen Kräfte den gelandeten Feind mit einem konzentrierten Gegenangriff ins Meer zurückwerfen. Ein Teil der beweglichen Truppen hätte also als Reserve zurückgehalten werden müssen. Beide Feldmarschälle stimmten jedoch darin überein, dass die Entscheidung in den ersten Tagen nach der Invasion fallen müsse. Deutschland konnte sich neben Italien und dem Osten keine weitere Front erlauben.

Fehlende Reserven, unklare Zuständigkeiten und Meinungsverschiedenheiten zwischen den führenden Offizieren in Frankreich behinderten die Abwehrvorbereitungen. Ein weiteres Problem bestand darin, dass die deutsche Feindaufklärung nicht eindeutig feststellen konnte, wo die Alliierten landen würden. Zuerst fasste die deutsche Führung vor allem die Straße von Calais, die schmalste Stelle zwischen England und der französischen Küste, ins Auge. Von dort aus hätten die Alliierten sehr schnell das Ruhrgebiet, ein wichtiges Rüstungszentrum, erreichen können. Ab April rechnete die deutsche Führung auch mit einer Landung in der Normandie.

Je mehr Zeit Engländer und Amerikaner verstreichen ließen, desto mehr konnten die Deutschen für die Abwehr der Invasion tun. Neue Truppen wurden in den Westen verlegt. Mehrmals fanden Manöver statt. Die Deutschen befestigten die Strände mit Hindernissen. In wenigen Monaten wurden mehr Minen vor der Küste verlegt als zwischen 1940 und 1943.

Für Anfang Juni 1944 hatte Rommel um einen Vortragstermin bei Hitler gebeten, der zu diesem Zeitpunkt sein Feldhauptquartier in Berchtesgaden aufgeschlagen hatte. Die Meteorologen sagten für die nächsten Tage schlechtes Wetter voraus. Bei hohem Seegang könnten die Alliierten ihre Landungsflotte nicht über den Kanal bringen. Eine Invasion schien Anfang Juni ausgeschlossen.

Rommel verließ am 5. Juni 1944 das Hauptquartier seiner Heeresgruppe in Laroch-Guyon mit dem Ziel Berchtesgaden. Auf dem Weg dorthin wollte er in Herrlingen, seinem Wohnort, Station machen: Rommels Frau hatte am 6. Juni Geburtstag. Am Morgen des 6. Juni klingelte in Herrlingen das Telefon: Der Chef des Generalstabes der Heeresgruppe B, General Speidel, informierte seinen Oberbefehlshaber darüber, dass seit Mitternacht alliierte Truppen in der Normandie landeten. Die Invasion hatte begonnen.

Die Invasion

In der Nacht zum 6. Juni sprangen über der Normandie englische und amerikanische Fallschirmjäger ab. Als der Morgen heraufdämmerte, näherte sich die alliierte Landungsflotte der Küste. Die ersten Einheiten gingen an Land. Die Deutschen leisteten teilweise heftigen Widerstand. Das Feuer der schweren Schiffsartillerie der Engländer und Amerikaner bereitete ihnen aber große Verluste.

In den frühen Morgenstunden erkannten die deutschen Führungsstäbe, dass die Normandie das Ziel eines Großangriffes war. Um 6.00 Uhr rief General Blumentritt, der Chef des Generalstabes beim OB West in Paris, im „Führerhauptquartier“ in Berchtesgaden an und bat General Jodl, bei Hitler die Freigabe von zwei Panzerdivisionen zu beantragen. Der Diktator hatte sich die Entscheidung über den Einsatz dieser Reservetruppen ausdrücklich vorbehalten. Der Chef des Wehrmachtführungsstabes lehnte es jedoch ab, Hitler zu wecken, zumal die Lage aus der Sicht des Wehrmachtführungsstabes noch unklar war.

Am Vormittag des 6. Juni kam es zu den ersten deutschen Gegenangriffen. Um 14.30 Uhr gab der Diktator in Berchtesgaden die beiden Panzerdivisionen frei. Doch ihr Einsatz kam zu spät. Zwischen den Flüssen Orne im Osten und Vire im Westen konnten die Alliierten im Laufe des Tages einen schmalen Streifen des Strandes erobern. Die deutschen Verteidigungshindernisse hatten sich als weitgehend unbrauchbar erwiesen.

Hitlers Eingriffe in die Führung der Abwehrkämpfe sollten in den nächsten Wochen zum großen Problem für die Deutschen werden. Rundstedt und Rommel konnten nur sehr eingeschränkt über Truppenbewegungen entscheiden. Wenn Generalfeldmarschall Rommel eine Division aus einer gefährdeten Stellung zurücknehmen wollte, musste er über den OB West im „Führerhauptquartier“ um Genehmigung bitten. Wie an der Ostfront hatte Hitler auch im Westen die Operationsführung übernommen.

Historiker wie David Fraser oder Peter Lieb gehen davon aus, dass Rommels Konzept, den Strand zur Hauptkampflinie zu machen, richtig war. Lieb nennt als Beweis den Einsatz der 21. Panzerdivision. Eine ihrer Kampfgruppen führte am Abend des 6. Juni einen erfolgreichen Gegenangriff, bis das Feuer der alliierten Kriegsschiffe die Panzer zum Rückzug zwang. Der deutsche Historiker widerlegt allerdings die oft geäußerte These, dass der rechtzeitige Einsatz der beiden Panzerdivisionen eine Wende gebracht hätte.

Die Abwehr der Invasion scheiterte aus mehreren Gründen. Der Chef des Generalstabes der Heeresgruppe B, Generalleutnant Hans Speidel, hätte entschiedener handeln müssen. Aber auch sein Verhalten alleine entschied nicht die Schlacht. Die meisten Kommandeure – so Lieb – hätten Rommels Konzept nicht verinnerlicht. Der Kommandeur der 352. Infanteriedivision – um nur ein Beispiel zu nennen – hätte seine Reserveeinheiten nicht direkt am Strand postiert. Sie brauchten mehrere Stunden, ehe sie das Kampfgebiet erreicht hatten.

Der Verlauf der Kämpfe am 6. Juni zeigte, dass die Wehrmacht 1944 zu schwach war, um einen gegnerischen Großangriff abzuwehren. Die geradezu erdrückende Luftüberlegenheit der Alliierten entschied den Tag endgültig für die Angreifer.

Als Generalfeldmarschall Rommel am Abend des 6. Juni 1944 in seinem Hauptquartier eintraf, war Engländern und Amerikanern die Bildung eines Brückenkopfes gelungen. Wie sollte es nun weitergehen?

Die Kämpfe in der Normandie

Am 10. Juni 1944 war endgültig klar, dass die Alliierten nicht mehr ins Meer geworfen werden konnten. Die deutsche Führung musste zur Kenntnis nehmen, dass die „zweite Front“ eine Tatsache war. Zwei Optionen wurden in den nächsten Wochen diskutiert: ein Angriff auf den Brückenkopf mit dem Ziel, die Alliierten doch noch vom Festland zu vertreiben oder eine Defensive, die eine Ausweitung des Brückenkopfes verhinderte. Rommel und der stellvertretende Chef des Wehrmachtführungsstabes, General Walter Warlimont, plädierten für die erste Alternative. Allerdings hätte man dafür die 15. Armee, die am Kanal lag, zur Hilfe nehmen müssen. Das Risiko, den Pais de Calais von eigenen Truppen zu entblößen, wollte Hitler nicht eingehen. Immer noch rechnete er mit einer zweiten Landung der Engländer und Amerikaner.

Am 12. Juni 1944 besprach Großadmiral Dönitz, der Oberbefehlshaber der Marine, die Lage mit dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel und dem Chef des Wehrmachtführungsstabes, General Alfred Jodl. Das Protokoll verrät, dass die Militärs die Situation als „sehr ernst“ einschätzten. Mit „einigem Glück“ könne man den Brückenkopf „umschlossen“ halten. Große Hoffnungen setzten sie auf den Beschuss Englands mit unbemannten Raketen. Am selben Tag waren die ersten Geschosse, V 1 genannt, in Richtung London abgefeuert worden. Die Abkürzung V stand für Vergeltungswaffe. Um das Bombardement fortzusetzen, musste Nordfrankreich gehalten werden.

Den Argumenten der Militärs gegen einen strategischen Rückzug kann nur angesichts der katastrophalen Gesamtlage ein gewisser Sinn zuerkannt werden. Rückwärtige Stellungen waren nicht vorhanden. Die deutschen Truppen hätten auf dem Rückzug ständig mit Angriffen aus der Luft rechnen müssen. Engländer und Amerikaner hätten zudem ihre Überlegenheit bei den Panzern ausspielen können. Für einen Bewegungskrieg war das deutsche Heer 1944 nicht mehr in der Lage.

Am 17. Juni 1944 kam Hitler nach Frankreich. In Margival traf er mit Rundstedt und Rommel zusammen. Der Diktator betonte noch einmal die Notwendigkeit, die Front in der Normandie zu halten. Rommel schlug vergeblich vor, die eigenen Truppen zumindest so weit zurückzuziehen, dass die Geschütze der alliierten Kriegsschiffe vor der Küste sie nicht mehr erreichen könnten.

Am 27. Juni 1944 eroberten die Alliierten Cherbourg und brachten einen für ihren Nachschub wichtigen Hafen in Besitz. Rommel wollte Hitler noch einmal über den Ernst der Lage informieren und bat von Rundstedt, dem Diktator in Berchtesgaden vortragen zu dürfen. Der OB West begleitete Rommel, denn auch er glaubte nicht mehr an einen erfolgreichen Ausgang des Krieges.

Am 29. Juni 1944 fand das Treffen im „Führerhauptquartier“ statt. Rommel wollte angesichts der Gesamtlage mit dem Diktator über eine politische Beendigung des Krieges sprechen, aber Hitler verwies ihn des Zimmers. In seinen Augen hatte der Feldmarschall damit seine Kompetenzen überschritten. Aber der „Führer“ besaß kein strategisches Konzept für die nächsten Monate. Er befahl den Truppenführern, ihre Stellungen um jeden Preis zu halten. Das Heer, das seine großen Erfolge zwischen 1939 und 1942 vor allem seiner Fähigkeit zur beweglichen Kriegführung und seiner taktischen Überlegenheit zu verdanken hatte, sollte sich wie im Ersten Weltkrieg eingraben und jeden Meter verteidigen.

Am 2. Juli 1944 wurde Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt seines Postens enthoben; wenige Tage vorher war der Befehlshaber der Panzergruppe West, General Geyr von Schweppenburg, von seinem Kommando entbunden worden. Rundstedt und Geyr mussten als Sündenböcke für die katastrophale militärische Situation herhalten. Beide hatte deutliche Kritik an Hitlers Haltebefehlen geübt.

Neuer Oberbefehlshaber im Westen wurde nicht Rommel, sondern Generalfeldmarschall Hans von Kluge. Marianne Feuersenger, eine Sekretärin im Wehrmachtführungsstab, notierte er am 7. Juli 1944: „Hektik und Ratlosigkeit nehmen zu. An allen Fronten ist die Decke zu kurz (Nachschub, Reserven). Das Auswechseln der Befehlshaber. Die Entlassung des Panzergenerals Geyr von Schweppenburg (Panzergruppe West) jetzt, die Ablösung von Gfm von Rundstedt als Oberbefehlshaber West durch Feldmarschall von Kluge. Wie lange wird sich der andere OB West halten können? Vor 10 Tagen war er mit Rundstedt zur „Führer-Lage“ befohlen. Rommel wieder in einer Lage wie damals (Afrika). Erfolgreicher Feldherr, der die Niederlage vor Augen hat.“

Generalfeldmarschall von Kluge konnte sich schon nach wenigen Tagen davon überzeugen, dass die schlechte militärische Lage nicht die Folge von Führungsfehlern war. Die deutschen Truppen waren in die Defensive gedrängt worden. Die wenigen Panzerdivisionen mussten zur Verteidigung eingesetzt werden. Engländer und Amerikaner konnten aber nur langsam vordringen, denn die Deutschen nutzten geschickt das Gelände. Außerdem bewiesen sie, dass sie taktisch dem Gegner immer noch überlegen waren. Wenn das Wetter den Einsatz der alliierten Luftwaffe nicht zuließ, konnten sie dem Gegner schwere Verluste zufügen. Auf Dauer aber war der Vormarsch der Engländer und Amerikaner nicht aufzuhalten.

Generalfeldmarschall Rommel verfasste am 15. Juli 1944 eine Lagebeurteilung für Hitler, in der er darauf hinwies, dass die Truppe am Ende war. Der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B bat den Diktator, die politischen Schlussfolgerungen aus der Situation zu ziehen. Generalfeldmarschall von Kluge strich das Wort politisch, schloss sich der militärischen Einschätzung Rommels aber an und leitete sie an das „Führerhauptquartier“ weiter.

Am 17. Juli 1944 wurde Generalfeldmarschall Rommel durch einen Tieffliegerangriff schwer verwundet. Kluge übernahm zusätzlich die Führung der Heeresgruppe B.

Am 28. Juli 1944 begann ein Großangriff der Amerikaner im Westen des Landekopfes. Auch im Wehrmachtführungsstab stellte man nun Überlegungen über einen Rückzug aus Frankreich an. Am 30. Juli 1944 hielt Jodl dem Diktator entsprechend Vortrag. Hitler verwarf die Idee nicht grundsätzlich, wollte jedoch noch keine Entscheidung treffen. Am 31. Juli 1944 durchbrachen die Amerikaner bei Avranches die deutschen Linien: Die von Rommel prophezeite Krise war eingetreten.

Der Zusammenbruch der Westfront

Auch in dieser kritischen Situation wollte der „Führer“ keine grundlegenden Entscheidungen treffen. Deutsche Truppen standen in Südfrankreich, aber Hitler lehnte es ab, sie nach Mittelfrankreich zurückzunehmen und damit Auffangstellungen zu schaffen, die eine Räumung der Kampffronten in der Normandie ermöglicht hätten. General Walter Warlimont, der stellvertretende Chef des Wehrmachtführungsstabes, sollte sich in Nordfrankreich ein Bild von der Lage machen. In der Nacht zum 1. August 1944 instruierte Hitler ihn über seinen Auftrag. Warlimont sollte von Kluge klarmachen, dass die alliierten Truppen in der Normandie aufgehalten werden müssten. Mit neuen Kräften der Luftwaffe – die ersten Düsenjäger standen als Schnellbomber zur Verfügung – und neuen Einheiten der Kriegsmarine sollte der Feind zermürbt und schließlich zum Rückzug gezwungen werden.

Als Warlimont am 3. August 1944 mit Kluge zusammentraf, fand er einen Befehl aus dem „Führerhauptquartier“ vor, der die Heeresgruppe B anwies, mit allen verfügbaren Panzereinheiten zum Gegenangriff anzutreten. Die von Rommel und Warlimont im Juni vorgeschlagene Offensive zur Vernichtung des damals noch engen Brückenkopfes sollte nun nachgeholt werden.

Generalfeldmarschall von Kluge gab am 6. August 1944 den Angriffsbefehl, aber die deutschen Kräfte erwiesen sich als zu schwach. Zwischen dem 8. August 1944 und dem 19. August 1944 brach die deutsche Front in der Normandie zusammen. Die Deutschen wurden mit den Mitteln geschlagen, die ihnen 1940 zum Sieg verholfen hatten: Engländer und Amerikaner nutzten die Überlegenheit ihrer Panzerdivisionen und erwiesen sich als Meister der beweglichen Kampfführung. Generalfeldmarschall von Kluge musste den Angriff fortsetzen, obwohl alliierte Truppen bereits in seinem Rücken standen. Die militärisch sinnlose Offensive führte dazu, dass die deutschen Truppen dem Gegner die Gelegenheit boten, sie einzukesseln.

Am 15. August 1944 fuhr Kluge an die Front. Der Funkkontakt zum „Führerhauptquartier“ brach ab. Hitler vermutete, dass Kluge Verbindungen mit dem Feind aufgenommen hätte. Außerdem machte er ihn für das Scheitern der Gegenoffensive verantwortlich. Der Diktator löste Kluge ab und ernannte Generalfeldmarschall Walter Model zum OB West. Am 17. August traf Model im Hauptquartier der Heeresgruppe B ein. Der neue Oberbefehlshaber hatte sich an der Ostfront bewährt. Model gehörte zu den wenigen höheren Offizieren der Wehrmacht, die Befehle Hitlers ignorierten und trotzdem das Vertrauen des Diktators genossen.

Model gelang es, den völligen Zusammenbruch des Westheeres zu verhindern. Nachdem die Alliierten für einige Tage die Heeresgruppe B einschließen konnten, gelang einem Teil der Truppen am 20. August 1944 der Ausbruch aus dem Kessel. Doch die Räumung  Frankreichs ließ sich nicht mehr verhindern. Am 15. August 1944 waren Engländer und Amerikaner östlich von Toulon im Mittelmeer gelandet. Einen Tag später gab Hitler der in Südfrankreich stationierten Heeresgruppe G den Befehl, sich in Richtung der Seine zurückzuziehen und Anschluss an die Heeresgruppe B zu finden. In den nächsten vierzehn Tagen konnten die Alliierten den größten Teil Frankreichs befreien.

Anfang September gelang es den Deutschen, den alliierten Vormarsch zu stoppen. Aber sie hatten nur eine Atempause gewonnen. Das NS-Regime versuchte, die letzten Kräfte zu mobilisieren. Was auf das deutsche Volk zukommen sollte, formulierte Generaloberst Alfred Jodl in einem Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht am 16. September 1944: „Irgendwelche Operationen großen Maßstabes kommen für uns nicht mehr in Betracht. Alles, was wir noch tun können, ist, unsere Stellungen zu halten und zu sterben …“

Fazit

Dieser Aufsatz beschäftigte sich in erster Linie mit der deutschen Führung. Hätte sie den Sieg der Alliierten verhindern können? Nachdem es nicht gelungen war, die Invasion in den ersten drei Tagen zurückzuschlagen, verfügte die Wehrmacht theoretisch nur noch über eine Chance: einen konzentrierten Gegenangriff aller Kräfte der Heeresgruppe B. Dazu hätte sich die 7. Armee aus dem Schussbereich der schweren amerikanischen und englischen Schiffsartillerie zurückziehen müssen. Doch schon die Preisgabe von wenigen Kilometern war für Hitler undenkbar. Gleichzeitig rechneten er und das Oberkommando der Wehrmacht mit einer zweiten Landung und lehnten es ab, die 15. Armee für den Gegenschlag einzusetzen. So begann ein Abnutzungskrieg, der bis Anfang August dauerte. Die Deutschen mussten schon im Juni ihre Panzerdivisionen für die Verteidigung einsetzen.

Wichtig für den Ausgang der Kämpfe war auch, dass Luftwaffe und Marine das Heer kaum entlasten konnten. Die deutschen Jagdgeschwader im Westen wurden 1944 für die Reichsverteidigung benötigt. Erst nach der Invasion wollte Reichsmarschall Göring seine Einheiten nach Frankreich verlegen. Doch schon in den ersten Tagen zerstörten die Alliierten viele Flugplätze der deutschen Luftwaffe. Von den 800 Jägern, die im Juni 1944 an der Invasionsfront zum Einsatz kommen sollten, ging schon ein Teil bei der Überführung verloren. Die deutschen Bomber hatten keine Chance, den Luftraum über den Landekopf zu erreichen. Nur wenige Unterseeboote konnte die Marine aufbieten. Sie erzielten Einzelerfolge, die an der Gesamtlage nichts ändern konnten und mussten dafür hohe Verluste hinnehmen.

Während Engländer und Amerikaner ihre Nachschubwege ausbauen konnten, erhielt die Heeresgruppe B nur wenig Ersatz. Sie verhinderte zwar bis Ende Juli einen Durchbruch, erlitt aber jeden Tag hohe Verluste. Ab Mitte Juli spitzte sich die Lage zu.

In dieser Situation versuchte lediglich Generalfeldmarschall Rommel, Hitler auf die Konsequenzen für die Gesamtlage aufmerksam zu machen. Das Verhältnis des Oberbefehlshabers der Heeresgruppe B zum Widerstand ist umstritten. Auf jeden Fall hatte er sein Vertrauen zum Diktator verloren. Am 15. Juli 1944 vertraute er einem Offizier an, dass er und Generalfeldmarschall von Kluge Hitler ein Ultimatum gestellt hätten. Der Krieg müsse politisch beendet werden. Würde der Diktator ablehnen, so wollte er die Westfront öffnen, damit die Westmächte vor den Russen eroberten. Auch Rommels Sohn Manfred bestätigte nach dem Krieg, dass sein Vater mit ihm über diesen Plan gesprochen hätte.

Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt stand dem Regime distanziert gegenüber und beschränkte sich auf seine Rolle als Soldat. Sein Nachfolger, Hans von Kluge, unterhielt 1943 als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte in Russland Kontakte zum Widerstand, lehnte es aber am Abend des 20. Juli 1944 ab, sich an dem Staatsstreich zu beteiligen, da er kurz zuvor erfahren hatte, dass Hitler noch lebt. Möglicherweise wagte Kluge Anfang August keinen Widerspruch gegen Hitlers Angriffsbefehl, weil er damit rechnen musste, dass seine Verbindungen zum Widerstandskreis aufgedeckt würden.

Peter Lieb kommt in seiner Studie über die Invasion in der Normandie zu dem Ergebnis, dass die Alliierten im August 1944 dem Westheer in der Normandie eine vernichtende Niederlage hätten beibringen können. Dass es den Deutschen gelang, mit einem Teil ihrer Truppen aus der Umklammerung auszubrechen, verhinderte möglicherweise ein vorzeitiges Kriegsende.

Die Wehrmacht bewies in der zweiten Kriegshälfte, dass sie sich von schweren Niederlagen erholen und wieder Tritt fassen konnte. Was aus soldatischer Sicht eine Tugend sein mochte, hatte für Deutschland und Europa fatale Konsequenzen. Die blutigsten Monate des Krieges lagen noch vor der deutschen Bevölkerung.

Literatur:

Peter Lieb, Unternehmen Overlord. Die Invasion in der Normandie und die Befreiung Westeuropas, 2. Aufl., München 2014

Dieter Ose, Entscheidung im Westen. Der Oberbefehlshaber West und die Abwehr der Invasion, Stuttgart 1982

Nelsons schwerster Gegner

Im März 1806 veröffentlichte die „Gibraltar-Chronicle“, eine englischsprachige Zeitung für die Angehörigen der dort stationierten Garnison, einen Nachruf auf den spanischen Vizeadmiral Federico Carlos Gravina y Nápoli: „Spain loses in Gravina the most distinguished officer in her navy; one under whose command her fleets, though sometimes beaten, always fought in such a manner as to merit the encomiums of their conquerors.“  (Spanien verliert den wohl besten Offizier seiner Marine; unter dessen Kommando ihre Flotten, obwohl manchmal geschlagen, auf eine Art und Weise fochten, als wollten sie ihre Bezwinger ehren). Gravina war den Verwundungen erlegen, die er in der Seeschlacht von Trafalgar erlitten hatte. Nachrufe dieser Art waren nicht selbstverständlich. Die englische Royal Navy blickte eher mit Geringschätzung auf die spanische Flotte. Wer war Gravina und wie stand es um die Rolle Spaniens als Seemacht im späten 18. Jahrhundert?

Die Reformpolitik der spanischen Bourbonen und die spanische Marine

Der Aufbau einer starken Marine gehörte zu den Reformen, mit denen die Regierung das Land modernisieren wollte. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde im Kriegs-, Finanz- und Indienministerium (dieses Ressort war für die überseeischen Gebiete zuständig) der Zustand des Landes sorgfältig analysiert. Spanien hatte im Laufe des 17. Jahrhunderts seinen Status als Großmacht verloren.

Die Krone versuchte, die Verwaltung nach französischem Vorbild zu zentralisieren. Brachliegendes Land im Landesinneren sollte erschlossen werden. Nach dem Willen der Reformer sollten alle Teile der Monarchie – also die Iberische Halbinsel und die Kolonien in Südamerika und im Pazifik – als Wirtschaftsraum zusammenarbeiten. Hispanoamerika hatte Rohstoffe zu liefern, die im Mutterland verarbeitet werden sollten. Dazu waren umfangreiche Verwaltungsreformen in allen Teilen des spanischen Herrschaftsgebietes erforderlich. Das Konzept beruhte darauf, dass die Seewege gesichert werden konnten. Die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bedeutungslos gewordenen Seestreitkräfte mussten neu aufgebaut werden. Es kam zu einer maritimen Aufrüstung, die erst 1797 endete.

Die spanische Marine des 18. Jahrhunderts wird von Historikern meist kritisch beurteilt, weil sie in den wichtigen Seeschlachten oft Niederlagen einstecken musste. Der Historiker John Lynch macht in seinem Standardwerk „Bourbon Spain“ unfähige Admirale für die Misserfolge verantwortlich. Die Ausbildung der Seeoffiziere in der Armada Española wäre zu theoretisch gewesen; die Praxis sei vernachlässigt worden. Hellmut Diwald meinte gar, die Admirale hätten ihren Ehrgeiz darin gesetzt, „die überzeugendsten Beispiele des Unvermögens zur Flottenführung zu liefern.“ Der Kanadier John D. Harbron kommt in seiner Studie mit dem Titel „Trafalgar and the Spanish Navy“ zu einem differenzierteren Urteil. Er weist darauf hin, dass die Royal Navy seit dem 16. Jahrhundert auf eine erfolgreiche Tradition zurückblicken konnte, während die spanischen Seestreitkräfte das Ergebnis der Reformpolitik der bourbonischen Monarchie im 18. Jahrhundert waren. Die spanischen Schiffbauer gehörten zu den Besten ihrer Zunft und auch das Offizierkorps – so Harbron – konnte sich im Vergleich zu anderen Seemächten sehen lassen. Was die Einführung und Weiterentwicklung von Navigationstechniken, das Erstellen von Seekarten oder technischen Neuerungen anging, lag Spanien mit England gleichauf.

Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zwischen 1779 und 1783 gewannen die Spanier zwar keine Seeschlacht; ihre Kriegsschiffe aber fügten der britischen Handelsschifffahrt schwere Verluste zu.

Der schwerfälligen und ineffizienten Marineverwaltung in Madrid gelang es allerdings nicht, das größte Problem der Armada Española zu lösen: den Mangel an erfahrenen Matrosen. Die Regierung führte 1737 eine „Matricula di Mar“ ein, ein Rekrutierungsverzeichnis, in das Angehörige seemännischer Berufe eingetragen wurden.1759 umfasste sie 50 000 Dienstpflichtige, aber nur 26 000 Seeleute standen der Kriegsmarine zur Verfügung. Nicht selten wurden die erfahrenen Hochseematrosen den Konvois zugeteilt, die zwischen dem Mutterland und den Kolonien verkehrten und deren Transporte für die spanische Wirtschaft lebensnotwendig waren. Auf vielen Linienschiffen der Kriegsmarine bestand die Mehrheit der Besatzungen aus Soldaten des Heeres oder aus Küstenbewohnern, die als Seeleute in der Matricula geführt wurden, obwohl sie nur Fischer waren und ein Segelboot in Küstennähe bedienen konnten.

In den achtziger Jahren ordnete der spanische König die Gründung eines Übungsgeschwaders an. Zweimal hielt ein Verband, bestehend aus mehreren Linienschiffen und Fregatten, Manöver auf See ab, doch dann fehlte das Geld für weitere Trainingsfahrten und das Ausbildungsniveau konnte nicht gehoben werden. Insofern ist die Geschichte der Armada Española typisch für die Reformbemühungen der spanischen Bourbonen im 18. Jahrhundert. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden wichtige Aufbauleistungen vollbracht. Im Gegensatz zum 17. Jahrhundert zeigten die Spanier wieder Flagge auf den Weltmeeren. Doch während die Royal Navy in allen Dienstgraden über gut ausgebildetes Personal verfügte, waren die Leistungsunterschiede bei ihren spanischen Gegnern größer.

Als Gravina 1775 seine Karriere begann, erhielt die Flotte jedes Jahr moderne Kriegsschiffe: Die Rüstungsanstrengungen erreichten ihren Höhepunkt. Doch das seemännische Personal fehlte. Spanien hätte ca. 42 000 Seeleute gebraucht, aber nur etwas mehr als die Hälfte standen für die Kriegsmarine zur Verfügung.

Am Ende des Jahrhunderts geriet der spanische Staat in eine Krise und konnte seine ehrgeizigen Rüstungs- und Reformprogramme nicht mehr finanzieren. 1797 wurde das ambitionierte Rüstungsprogramm eingestellt.

Stationen einer Karriere

Federico Carlos Gravina y Nápoli wurde 1756 in Palermo geboren und entstammte einer Familie des sizilianischen Adels. Dynastische Verbindungen zwischen dem spanischen Zweig der Bourbonen und den Königen von Neapel und Sizilien eröffneten jungen Adligen aus Süditalien gute Karrierechancen auf der Iberischen Halbinsel. Der Bruder von Gravina wurde – um nur ein Beispiel zu nennen – Bischof in Spanien. Der spätere Admiral besuchte das Collegio Clementino in Rom, eine Eliteschule für junge Männer aus hohen Adelsfamilien. Im Gegensatz zu anderen Flaggoffizieren seiner Zeit genoss Gravina eine sehr gute Schulausbildung. Nelson beispielsweise, sein Gegner in der Seeschlacht von Trafalgar, wuchs in einem britischen Pfarrhaus auf und heuerte mit 12 als Seekadett in der Royal Navy an. Gravina trat erst mit 19 in die spanische Marine ein – für die damalige Zeit ein recht hohes Alter für einen Offizieranwärter.

Der junge Herzog machte schnell durch seine seemännischen Fähigkeiten und seine Tapferkeit auf sich aufmerksam. Er nahm am spanisch-portugiesischen Krieg 1776/77 teil und erlebte an der südamerikanischen Küste vor dem Rio de la Plata seine Feuertaufe. Nach Abschluss seiner Offizierausbildung zeichnete er sich 1782 bei der Belagerung von Gibraltar aus.

Danach folgten selbstständige Kommandos. Mit der Fregatte „Paz“ überquerte er auf einer schwierigen Route in einer außergewöhnlich schnellen Zeit den Atlantik. Zwei Jahre später, mit 34 Jahren, befehligte er bereits ein Linienschiff. 1789 erfolgte die Beförderung zum Kommodore. 1791 wurde Gravina Konteradmiral, 1797 Vizeadmiral.

Nachdem er in den achtziger Jahren seine Qualifikation als Schiffsführer unter Beweis gestellt hatte, übernahm er nun größere Führungsaufgaben. 1790 drohte ein Krieg zwischen England und Spanien. Gravina erhielt den Auftrag, im südspanischen Cádiz eine Flotte zu organisieren. Es war die stärkste Konzentration von spanischen Kriegsschiffen seit der Armada von 1588. Die Krise wurde schließlich mit diplomatischen Mitteln beigelegt.

Zwischen 1793 und 1795 kam es zu einer vorübergehenden Zusammenarbeit zwischen London und Madrid. Am 1. Februar 1793 hatte Frankreich England den Krieg erklärt. London entsandte eine Flotte in das Mittelmeer, die vor der strategisch wichtigen Hafenstadt Toulon erschien. Dort herrschten chaotische Zustände. Die Gegner der Revolution schickten sich an, die Kontrolle über Toulon zu übernehmen. Am 28. August 1793 stieß eine spanische Flotte unter Vizeadmiral Juan Langara y Huarte zum britischen Blockadegeschwader. Am selben Tag landeten die Alliierten in der Stadt; die dort stationierten französischen Kriegsschiffe leisteten keinen Widerstand. Gravina nahm als Stellvertreter des spanischen Oberbefehlshabers an der Operation teil. Bis zum 18. Dezember 1793 hielten die Verbündeten Toulon, zerstörten bei ihrem Rückzug viele Schiffe des Gegners und sprengten einen Teil der Magazine. 15 000 Menschen konnten evakuiert werden. Gravina wurde schwer verwundet und erwarb sich durch seine Tapferkeit und besonnene Führung den Respekt britischer Offiziere. Im selben Jahr besuchte er auch Portsmouth. Gravina interessierte sich für die Taktik und die Führungsmethoden der besten Flotte der Welt.

Die englisch-spanische Allianz sollte ein kurzes Zwischenspiel bleiben. In der spanischen Diplomatie setzte sich wieder die traditionell antibritische Linie durch. Madrid erklärte London den Krieg, obwohl die Marine nur bedingt einsatzbereit war. Deutlich wurde dies, als 1797 bei St. Vincent eine spanische Flotte gegen einen britischen Verband eine demütigende Niederlage erlitt. Die schlecht ausgebildeten Besatzungen konnten sich nicht annähernd mit einem Gegner messen, der zahlenmäßig wesentlich schwächer war.

Die Seeschlacht ging in die Kriegsgeschichte ein, weil ein junger Kommodore namens Horatio Nelson ein neues taktisches Prinzip angewandt hatte. Bis dahin segelten die Flotten in Kiellinie (ein Schiff folgte dem Vorgänger in einer Linie) auf Parallelkurs oder Gegenkurs und lieferten sich ein Artillerieduell, das meistens mit einem Unentschieden endete. Nelson scherte bei St. Vincent eigenmächtig aus dem eigenen Verband aus, durchtrennte mit seinem Angriff die spanische Schlachtlinie und entschied mit seiner mutigen und kühnen Tat das Gefecht. Die Idee stammte nicht von einem Seeoffizier, sondern von John Clerk, einem schottischen Kaufmann, der sich für Fragen der Seekriegsführung interessierte. Ihm ging es darum, die meist ergebnislosen Artillerieduelle zu beenden. Er fand heraus, dass man eine Seeschlacht für sich entscheiden kann, wenn eine Flotte angreift, sich dabei aber auf einen Abschnitt der gegnerischen Linie konzentriert und diese durchbricht. Der Gegner müsste dann den anderen Teil seiner Schiffe wenden lassen, ein Manöver, das viel Zeit in Anspruch nahm. Die Angreifer hatten sich einen kurzfristigen Vorteil erkämpft, denn die gegnerische Flotte wurde geteilt und befand sich in Unterzahl. Den Briten kam diese Taktik entgegen, denn hier konnten sie ihre Vorteile ausspielen: ihr hervorragendes seemännisches Können und ihr schnelles und präzises Artilleriefeuer. Clerk veröffentlichte seine Ansichten unter dem Titel „An Essay on Naval Tactics“ 1779. Die Publikation machte schon bald im Offizierkorps der Royal Navy die Runde.

Gravina nahm an der Seeschlacht von St. Vincent nicht teil. Auch er hätte nichts an dem Ergebnis ändern können. Zusammen mit Vizeadmiral Mazzaredo verteidigte er 1797 erfolgreich Cádiz gegen die Blockade durch die englische Flotte.

In den nächsten Jahren befehligte Gravina kleinere Flottenverbände. 1803 übernahm er das Amt des spanischen Botschafters in Paris. Der Vizeadmiral befürwortete ein Bündnis zwischen Frankreich und Spanien. Die Regierung in Madrid hatte ihm für den Fall eines Krieges zugesichert, dass er wieder ein Flottenkommando erhalten würde. Als Botschafter machte Gravina keine gute Figur; auf dem schwankenden Deck eines Schiffes bewegte er sich sicherer als auf diplomatischem Parkett.

Im Dezember 1804 war es so weit: Der Krieg brach aus. Den britischen Botschafter in Paris und Madrid wurden die Pässe ausgehändigt. Gravina kehrte in sein Heimatland zurück und erhielt das Kommando über die Marinebasis in Cádiz. In wenigen Wochen sorgte er dafür, dass mehr als 20 Linienschiffe einsatzfähig waren. Gravina setzte sich persönlich dafür ein, dass fähige Offiziere zu Schiffskommandanten bestellt wurden. Das größte Problem der Seestreitkräfte konnte er jedoch nicht lösen. Auch 1805 wurden die Schiffe mit Dienstpflichtigen bemannt, die nur unzureichend ausgebildet waren. Als Beispiel mögen die Zahlen dienen, die Gravina am Vorabend der Schlacht von Trafalgar für sein Flaggschiff, die „Príncipe de Asturias“ notierte. Die 1163 Mann Besatzung setzten sich aus 609 Offizieren und Matrosen, 172 Marineartilleristen und 382 Heeresinfanteristen zusammen. Fast die Hälfte der Besatzung bestand nicht aus Seeleuten.

Die vereinte Flotte sollte 1805 die Briten in die Karibik locken und dann so schnell wie möglich nach Europa zurückkehren. Die Schiffe hatten Befehl, die Kanalküste ansteuern, wo sich unter Napoleons Befehl ein Heer versammelt hatte, das nach England übergesetzt werden sollte. Der Plan scheiterte: Villeneuve konnte zwar die Royal Navy nach Westindien locken, aber der Gegner folgte ihm unverzüglich.

Am 22. Juli 1805 kam es bei Kap Finisterre zu einer Seeschlacht zwischen der vereinten Flotte und den Briten unter Vizeadmiral Robert Calder. Dank der Führung von Gravina, der mit seinen sechs Schiffen die Vorhut bildete und sofort Gefechtsberührung hatte, konnten die Briten ausmanövriert werden. Zwei spanische Schiffe mussten jedoch die Segel streichen. In der Seekriegsgeschichte wird das Treffen als britischer Sieg gewertet, aber unbestritten ist, dass die Spanier mit ihrem entschiedenen Vorgehen viel dazu beigetragen haben, dass Calder keinen entscheidenden Sieg erreichen konnte. Napoleon würdigte denn auch die Verdienste des spanischen Flaggoffiziers: „Gravina ist genial und entscheidungsfreudig im Kampf. Wenn Villeneuve diese Qualitäten gehabt hätte, wäre die Schlacht von Finisterre ein vollständiger Sieg geworden.“

Napoleon musste sein strategisches Hauptziel, die Ausschaltung Englands, aufgeben. Der Korse befahl dem an der Kanalküste versammelten Heer, nach Süddeutschland zu marschieren, denn ein Krieg mit Österreich und Russland drohte. Die französisch-spanischen Seestreitkräfte gingen in Cádiz vor Anker, wo sie von den Engländern blockiert wurden. Doch diesmal wagten die Briten keinen Angriff, sondern konzentrierten ihre Flotte auf See. Nur die Mastspitzen der englischen Aufklärungsfregatten konnte man von der südspanischen Hafenstadt aus beobachten.

Die Seeschlacht von Trafalgar

In Cádiz entluden sich derweil die Spannungen zwischen den Verbündeten. Die spanischen Offiziere waren darüber empört, dass die Franzosen den Ausgang der Schlacht von Finisterre vor allem als ihren Erfolg werteten, obwohl nur spanische Schiffe im Feuer gestanden hatten. In den Kneipen kam es zu Schlägereien zwischen französischen und spanischen Matrosen. Gravina wollte von seinem Amt zurücktreten, aber Godoy, der leitende Minister Spaniens, konnte ihn dazu überreden, das Kommando als stellvertretender Oberbefehlshaber zu behalten.

Die Frage war nun, wie man auf die Anwesenheit der Royal Navy vor Cádiz reagieren sollte. Der Invasionsplan war gescheitert. Ein stürmischer Herbst drohte, der für die Blockadeflotte mehr Probleme aufwarf als für Franzosen und Spanier. Napoleon hatte jedoch neue Befehle für seine Seestreitkräfte: Sie sollten durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer segeln und dort die habsburgische Machtposition in Süditalien angreifen. Auch einen Ersatz für Villeneuve hatte der Kaiser bestimmt: Admiral Rosily. Der neue Kommandeur war auf dem Weg nach Südspanien und die Gerüchte eilten ihm voraus. Villeneuve, um seinen Ruf besorgt, zeigte auf einmal eine Entschlusskraft, die er in den Wochen zuvor vermissen ließ.

Am 1. Oktober 1805 begann er mit den Vorbereitungen für das neue Unternehmen. Er nahm Truppen an Bord, die in Neapel ausgeschifft werden sollten. Am Nachmittag des 2. Oktober 1805 informierte ihn Gravina über eine Agentenmeldung, die aus Lissabon eingetroffen war: Vizeadmiral Nelson sei mit vier weiteren Linienschiffen nach Cádiz unterwegs, um das Kommando über die Blockadeflotte zu übernehmen.

Villeneuve berief daraufhin am 8. Oktober 1805 auf seinem Flaggschiff einen Kriegsrat ein und erläuterte seine Pläne. Villeneuve wollte mit der Flotte Cádiz verlassen und durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer segeln. Damit riskierte er eine Seeschlacht gegen die britische Flotte. Allerdings gab es gute Gründe gegen dieses Unternehmen. Ein Sturm zog herauf, der die Briten ohnehin zwingen würde, ihre Blockade zumindest vorübergehend aufzuheben. Die Spanier plädierten dafür, im Hafen zu bleiben, was Villeneuve zu einer Bemerkung veranlasste, die den Mut der Verbündeten in Frage stellte. Für Gravina, Villeneuves Stellvertreter, war das zu viel: „Herr Admiral“, erwiderte er, „wann immer die spanische Flotte in die Schlacht gezogen ist an der Seite ihrer Verbündeten, bildete sie die Vorhut gebildet und stellte sich dem Gegner.“ Und als wäre er und nicht Villeneuve Oberbefehlshaber, schloss er seine Erklärung mit den Worten: „Morgen – auf See“.

„Morgen – auf See“ – ohne diesen Satz wäre es möglicherweise nicht zur Seeschlacht von Trafalgar gekommen. Spanische Historiker haben Gravina lange Zeit diese Äußerung vorgeworfen. Doch war es für den Herzog überhaupt denkbar gewesen, den Vorwurf der Feigheit hinzunehmen? Hätte er damit nicht gegen die Traditionen seines Standes und seines Berufes verstoßen? Der spanische Historiker Agustín Guimerá bewertete das Verhalten des Vizeadmirals 2005 in einem Aufsatz als angemessen – legt man die Normen zugrunde, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts für einen hohen Offizier galten: „Gravina only fulfilles his military duty and followed his code of Honour by accepting orders from the government, supporting Villeneuve in that flight forward, toward a sure unequal battle. The fact is that the Spanish admiral was under heavy pressure from Nelson, Decrès and Godoy through the campaign. He was tied hand and foot.“ (Gravina erfüllte seine militärische Pflicht und folgte seinem Ehrenkodex, als er die Befehle seiner Regierung befolgte, Villeneuve in dieser ungleichen Schlacht zu unterstützen. Tatsache ist, dass der spanische Admiral während des ganzen Feldzuges unter großem Druck von Nelson, Decrès und Godoy stand. Ihm waren Hände und Füße gebunden.)

Am 19. Oktober war es so weit: Die vereinte Flotte ging Anker auf. Schon am ersten Tag zeigte sich, wie schwierig es war, den Hafen von Cádiz zu verlassen. Nur 12 Schiffe konnten auslaufen; der Rest folgte am nächsten Tag. 15 französische und 18 spanische Linienschiffe nahmen Kurs auf die Meerenge von Gibraltar.

Am 21. Oktober 1805 zeichneten sich am Horizont die Segel der Royal Navy ab. Um 8.00 Uhr morgens gab Villeneuve das Signal zur Wende; seine Flotte segelte wieder in Richtung Cádiz. Gegen zehn Uhr standen seine Schiffe in einer gekrümmten Linie in Lee-Stellung, das heißt, sie befanden sich auf der dem Wind abgewandten Seite. Die Briten hatten den Vorteil der Luv-Stellung; ihre Schiffe konnten die frische Brise voll nutzen und besser manövrieren. Der britische Vizeadmiral Collingwood, nach dem Tode Nelsons Oberbefehlshaber der Flotte, wunderte sich in seinem Schlachtbericht an die Admiralität über die Aufstellung des Gegners. Hier machte sich der schlechte Ausbildungsstand vieler Schiffe bemerkbar. Während einige Segler schneller wenden konnten, gelang anderen das Manöver langsamer, sodass die französisch-spanische Flotte in einer bogenförmigen Schlachtformation in das Gefecht ging. Einige Schiffe segelten nicht im Kielwasser ihrer Vorgänger, sondern beinahe parallel.

Die Briten griffen – wie erwartet – in zwei unabhängigen Kolonnen an, die in einem Winkel von 90 Grad auf ihre Gegner zu segelten mit dem Ziel, die französisch-spanische Linie zu durchbrechen. Gegen 12.00 mittags begann die Schlacht. Drei Stunden später war alles entschieden. Nelson lag im Sterben, Villeneuve musste sich in Gefangenschaft begeben und Gravina zog sich mit 11 Schiffen in Richtung Cádiz zurück.

Franzosen und Spanier hatten sich tapfer gewehrt, aber gegen die Segel- und Schießkünste der Briten besaßen sie keine Chance. Die Royal Navy konnte den glänzendsten Sieg ihrer Geschichte feiern. Das Schiff von Gravina hielt zeitweilig dem Feuer mehrerer Gegner stand. Der Vizeadmiral war schwer verwundet worden, eine Kugel hatte einen Arm zerschmettert. In der Nacht noch erreichten die Reste der geschlagenen Flotte den Hafen von Cádiz. Gravina wurde sofort an Land gebracht. Die Ärzte diskutierten über eine Amputation des Arms und rieten schließlich ab – eine fatale Fehlentscheidung, wie sich bald zeigen sollte. Der Herzog, der im November wegen seiner Tapferkeit zum Admiral befördert worden war (dieser Rang stand eigentlich nur dem König zu), erlag am 9. März 1806 dem Wundfieber.

Nelsons stärkster Gegner

Und wie beurteilten und beurteilen Historiker die Rolle Gravinas? Der Spanier Pelayo Alcalá Galiano legte 1909 eine Studie über die Schlacht vor, die lange Zeit zu den Standardwerken über Trafalgar zählte. Er bewertete Gravina sehr negativ. Der Admiral hätte seine außerordentlich schnelle Karriere nur seinen Verbindungen zum Hof, nicht aber seinen Fähigkeiten zu verdanken. Vor allem aber hätte er nicht zulassen dürfen, dass die spanischen Schiffe an der Seite ihrer Verbündeten in eine Schlacht zogen, die sie nicht gewinnen konnten. Suchte der Historiker nur einen Sündenbock für ein militärisches Desaster, das 100 Jahre später noch in Spanien als Schande empfunden wurde? Die aktuelle spanische Forschung kommt zu einem positiveren Urteil – siehe den bereits zitierten Aufsatz von Agustín Guimerá.

Der Brite Jullian S. Corbett hingegen würdigte 1910 die Führung von Gravina bei Trafalgar. Der Vizeadmiral hätte in den frühen Nachmittagsstunden durch seinen tapferen und geschickten Widerstand dafür gesorgt, dass für die französisch-spanische Flotte die Schlacht noch einige Stunden offen war.

Gravina soll mit den Worten gestorben sein: „I am a dying man, but I die happy; I am going, I hope and trust, to join Nelson, the greatest hero that the world perhaps has produced.“ (Ich sterbe, aber ich sterbe glücklich; ich gehe und ich vertraue darauf; Nelson zu treffen, den größten Helden, den die Welt vielleicht hervor gebracht hat).

Handelt es sich hier nur um eine Anekdote für die Nachwelt? Ich glaube nicht. Gravina hatte Nelson stets geschätzt und seinen überragenden Rang anerkannt. Unter Seefahrern gibt es eine Verbundenheit, die auch im Krieg nie völlig abreißt. Vielleicht hat der spanische Admiral seinen britischen Gegner manchmal darum beneidet, eine so hervorragende Flotte führen zu können. Auch wenn er nicht das Genie eines Nelson besaß – Carlos Federico Gravina war ein fähiger und mutiger Soldat, der in der Marinegeschichte des 18. Jahrhunderts seinen Platz hat.

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Bodo Scheurig, Alfred Jodl. Gehorsam und Verhängnis. Biografie, Berlin, Frankfurt/M. 1991

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