Geschichte – Vergangenheit, die uns berührt

Diese Website wendet sich an Menschen, die sich für Geschichte interessieren.

Im Internet gibt es viele Webpräsenzen dieser Art. Mein Ziel ist es, auf verständliche Weise über historische Sachverhalte zu informieren. Das bedeutet nicht, belanglose Details aufzubauschen. Als promovierte Historikerin stütze ich mich auf wissenschaftliche Literatur und Quellen. Die Beiträge sollen in ein Thema einführen und so möglicherweise dazu anspornen, in einer wissenschaftlichen Publikation mehr zu erfahren.

Hat Geschichte nur etwas mit Vergangenheit zu tun?

Der Historiker lebt in der Gegenwart. Die Fragen, die er an die Vergangenheit richtet, knüpfen an die Gegenwart an. Das bedeutet nicht, die Menschen des 17. Jahrhunderts an unseren Maßstäben zu messen. Geschichtswissenschaftler sollten sich nicht zum Richter aufschwingen.

Der Historiker Thomas Nipperdey forderte einmal „Gerechtigkeit für unsere Vorfahren“. Diese Äußerung bezog sich auf das Kaiserreich zwischen 1871 und 1918. Nach heutigen Maßstäben war es ein Obrigkeitsstaat. Der Reichskanzler war nur dem Kaiser verantwortlich.

Die Urteile von Zeitgenossen schwanken. Ein Sozialdemokrat erlebte im Kaiserreich sehr wahrscheinlich Ausgrenzung und Entrechtung. Ein preußischer Konservativer hingegen forderte von der Reichsregierung ein schärferes Vorgehen gegen die SPD. Liberale kritisierten die staatliche Sozialpolitik, mit der die Reichskanzler seit Bismarck den Aufstieg der Sozialisten bremsen wollten.

Historiker sollten diese Positionen nüchtern betrachten. Aber würden sie dabei bleiben, so wäre Geschichtsschreibung nicht mehr als die Beschreibung historischer Entwicklungen.

Ein Historiker, der sich heute mit der Sozialpolitik im Kaiserreich auseinandersetzt, müsste dann der Frage nachgehen, wie die soziale Situation der Arbeiterschaft in vergleichbaren Ländern aussah. Und hat nicht möglicherweise die Existenz eines – an heutigen Maßstäben dürftigen staatlichen Arbeiterschutzes –  dazu geführt, dass in der SPD die gemäßigten Kräfte stärker wurden? Warum lehnten Liberale lange Zeit Eingriffe des Staates zugunsten Schwächerer ab? Und weshalb hat die deutsche Sozialpolitik – im internationalen Vergleich führend – die Grenze zwischen Arbeiterbewegung und bürgerlicher Gesellschaft kaum abbauen können?

Oder werfen wir einen Blick auf die Außenpolitik des Kaiserreiches nach 1890. Deutschland baute ab 1898 eine Schlachtflotte, erhob den Anspruch, „Weltpolitik“ treiben zu können und löste mehrere internationale Krisen aus, die beinahe zum Krieg geführt hätten. Deutsche Historiker haben seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts denn auch dem Kaiserreich eine große Mitverantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vorgeworfen.

Diese These ist in den letzten Jahren – vor allem von ausländischen Historikern – etwas abgemildert worden. Diese Forscher kritisieren Fehler der deutschen Diplomatie, werfen den Blick aber auch auf andere europäische Großmächte.

Historische Forschung entwickelt sich weiter. Sie sollte objektiv sein, aber kann sich nicht ganz frei davon machen, dass man die Geschichte im Rückblick betrachtet. 1897 war Machtpolitik für einen europäischen Politiker selbstverständlich. Auch heute müssen sich deutsche Politiker mit machtpolitischen Herausforderungen befassen. Aber die Unbefangenheit, mit der man das Wort Machtpolitik 1897 aussprach, wird man heute in der Bundesrepublik kaum noch finden.

Auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit nehmen einen wichtigen Platz ein. Doch geht es – zumindest in Deutschland – nicht mehr um die Integration der Arbeiterschaft in den bestehenden Staat, sondern um die Frage, wie leistungsfähig das soziale Netz sein muss oder darf.

Historiker haben für diese Probleme keine Patentlösungen. Aber so manches Thema, dass Menschen vor 100 oder 200 Jahren beschäftigte, ist immer noch aktuell.

Welche Themen erwarten Sie hier?

Mein Schwerpunkt liegt auf dem Bereich der Politischen Geschichte mit einer sozialhistorischen Fundierung. Auf dieser Website finden Sie Aufsätze über die Revolution von 1848, über das Verhältnis von Linksliberalismus und Arbeiterschaft im Kaiserreich, über die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur im Frühjahr 1933 oder die Entwicklung der SPD zwischen 1959 und 1975.

In der Kategorie „Biografische Porträts“ reicht die Palette von dem Burgunderherzog Karl dem Kühnen (1467 bis 1477) über den dänischen König Christian IV. (1588 bis 1648) bis hin zu Persönlichkeiten aus der deutschen Geschichte.

Die Kategorie „Geschichte der europäischen und außereuropäischen Staaten“ beinhaltet Beiträge über den „New Liberalism“ in England zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Seeschlacht von Trafalgar 1805 oder über den französischen Sozialisten François Mitterrand, der 1981 die Wahl zum Staatspräsidenten gewinnen konnte und bis 1995 als Staatsoberhaupt amtierte.

Die Beiträge werden regelmäßig überarbeitet.

Außerdem finden Sie hier eine Kategorie, die sich mit dem Thema Staats- und Verwaltungsrecht beschäftigt. Es geht um Informationen über unsere Verfassungsordnung. Welche Kompetenzen hat der Bundespräsident? Unter welchen Umständen ist eine Änderung des Grundgesetzes möglich? Die Falllösungen sind für Beamtenanwärter des mittleren Dienstes, angehenden Verwaltungsfachwirten und vereinzelt auch für Jurastudenten im ersten Semester geeignet. Im Vordergrund steht die Erstellung eines Gutachtens.

Über mich

Von 1992 bis 1998 habe ich an der Fernuniversität Hagen Geschichte mit den Nebenfächern Jura und Soziologie studiert und den Magisterabschluss erworben. 2007 wurde ich dort mit einer Arbeit über den sozialliberalen Politiker Anton Erkelenz promoviert. Von 2007 bis 2011 hatte ich am Lehrgebiet Neuere Geschichte (Professor Dr. Peter Brandt) einen unbesoldeten Lehrauftrag inne und gab Lehrveranstaltungen für Studienanfänger.

Daneben veröffentlichte ich in Fachzeitschriften und Handbüchern Aufsätze zur Geschichte des deutschen Liberalismus, der Sozialdemokratie, zur deutschen Verfassungsgeschichte im 19. Jahrhundert und zur Geschichte der Weimarer Republik.

Im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands bin ich Mitglied. Außerdem schreibe ich für die Internetzeitschrift „Globkult“.

Für Anregungen bin ich stets dankbar.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

 

Katharina Kellmann

Das Foto im Header habe ich Wikimedia Commons entnommen.