Eine Website für politische Geschichte

„Ich glaube an die ganze Theoriebedürftigkeit der Geschichte nicht. Die Historie ist eine Kunst, die auf Kenntnissen beruht, und weiter ist sie gar nichts.“

 

Mit diesen Worten beschrieb der Historiker Golo Mann sein Selbstverständnis. Bedeutet dies, dass man politische Geschichte beliebig erzählen kann, als wäre es ein Roman? Nein. Der Historiker muss sich an die Quellen halten. Der Autor eines historischen Romans darf sich dagegen dichterische Freiheiten erlauben.

Allerdings können Quellen unterschiedlich interpretiert werden. Dies ist legitim, wenn der Historiker die historisch-kritische Methode beachtet. Hinzu kommt, dass historische Forschung zeitgebunden ist. In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts galt es als Konsens, dass die europäischen Großmächte in den Ersten Weltkrieg „geschlittert“ wären. 1961 vertrat der Hamburger Historiker Fritz Fischer die These, Deutschland sei für den Ausbruch des Krieges maßgeblich verantwortlich. Seine Forschungen lösten eine nach ihm benannte Kontroverse aus und bestimmen noch heute teilweise unsere Sicht auf das Kaiserreich. Als der australische Historiker Christopher Clark in seinem Buch „Die Schlafwandler“ 2012 wieder stärker die Rolle anderer europäischer Großmächte betonte, erntete er gerade in Deutschland heftigen Widerspruch. Historische Forschung lebt von Kontroversen. Das macht Geschichte so faszinierend.

Geschichte ist ein Feld der Möglichkeiten

Mein Schwerpunkt auf dieser Website ist die politische Geschichte. Daraus ergibt sich eine Vorliebe für ereignisgeschichtliche Darstellungen, die die Offenheit historischer Entwicklungen betonen.

Ein Beispiel: Wir wissen, dass die Monarchie in Deutschland im November 1918 gescheitert ist. Aber 1913, als der letzte deutsche Kaiser sein 25jähriges Thronjubiläum feierte, gab es in der Bevölkerung keine Mehrheit für die Einführung der Republik. Erst im Laufe des Ersten Weltkriegs begann der Legitimitätsverlust der Monarchie in Deutschland. Eine Geschichte des Kaiserreiches nur aus der Perspektive des Scheiterns zu schreiben ist in meinen Augen problematisch.

Politische Geschichte umfasst aber mehr als nur „Haupt- und Staatsaktionen“ oder das Leben und Wirken bekannter Persönlichkeiten. Erkenntnisse aus der Sozialgeschichte oder der Mentalitätsgeschichte sind unverzichtbar.

 

 

 

Dateiname: Bundesarchiv_Bild_183-18594-0045_Berlin_Novemberrevolution.jpg. ADN-ZB/Archiv
Novemberrevolution 1918 in Deutschland.

Was erwartet Sie auf dieser Website?

Die Themenpalette reicht von biografischen Aufsätzen über Karl dem Kühnen, einen Burgunderherzog aus dem 15. Jahrhundert, bis hin zu Themen aus der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte wie dem Bruch der sozialliberalen Koalition am 1. Oktober 1982.

Im Bereich Staats- und Verfassungsrecht geht es um Informationen über unsere Verfassungsordnung. Welche Kompetenzen hat der Bundespräsident? Unter welchen Umständen ist eine Änderung des Grundgesetzes möglich? Die Falllösungen sind für Beamtenanwärter des mittleren Dienstes, angehenden Verwaltungsfachwirten und vereinzelt auch für Jurastudenten im ersten Semester geeignet. Im Vordergrund steht die Erstellung eines Gutachtens.

Über mich

Von 1992 bis 1998 habe ich an der Fernuniversität Hagen Geschichte mit den Nebenfächern Jura und Soziologie studiert und den Magisterabschluss erworben. 2007 wurde ich dort mit einer Arbeit über den sozialliberalen Politiker Anton Erkelenz promoviert. Von 2007 bis 2011 hatte ich am Lehrgebiet Neuere deutsche und europäische Geschichte einen unbesoldeten Lehrauftrag inne und gab Lehrveranstaltungen für Studienanfänger.

Daneben veröffentlichte ich in Fachzeitschriften und in Handbüchern Aufsätze zur Geschichte des deutschen Liberalismus, der Sozialdemokratie, zur deutschen Verfassungsgeschichte im 19. Jahrhundert, zur Revolution von 1848 und zur Geschichte der Weimarer Republik. Von 2011 bis 2020 publizierte ich in der Internetzeitschrift „Globkult“. Im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands bin ich Mitglied.

Für Anregungen danke ich. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

 

Katharina Kellmann

Das Foto im Header zeigt einen Ausschnitt aus einem Bild von Ludwig von Elliott aus dem Jahr 1848 (Wikimedia Commons).

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