Eine Website für Politische Geschichte

„Ich glaube an die ganze Theoriebedürftigkeit der Geschichte nicht. Die Historie ist eine Kunst, die auf Kenntnissen beruht, und weiter ist sie gar nichts.“

Mit diesen Worten beschrieb der Historiker Golo Mann sein Selbstverständnis. Bedeutet dies, dass man politische Geschichte beliebig erzählen kann, als wäre es ein Roman? Nein. Der Historiker muss sich an die Quellen halten. Der Autor eines historischen Romans darf sich dagegen dichterische Freiheiten erlauben.

 

Das Ermächtigungsgesetz

Blatt 1 des Ermächtigungsgesetzes vom 24. März 1933. Mit dieser Ermächtigungsgrundlage konnten die Nationalsozialisten in Deutschland eine Diktatur errichten. Zwei Schreibmaschinenseiten (das Gesetz bestand nur aus 5 Artikeln) sollten die deutsche Geschichte grundlegend verändern (Wikimedia Commons).

 

Allerdings können Quellen unterschiedlich interpretiert werden. Dies ist legitim, wenn der Historiker die historisch-kritische Methode beachtet. Hinzu kommt, dass historische Forschung zeitgebunden ist. In den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts galt es als Konsens, dass die europäischen Großmächte in den Ersten Weltkrieg „geschlittert“ wären. 1961 vertrat der Hamburger Historiker Fritz Fischer die These, Deutschland sei für den Ausbruch des Krieges maßgeblich verantwortlich. Seine Forschungen lösten eine nach ihm benannte Kontroverse aus und bestimmen noch heute teilweise unsere Sicht auf das Kaiserreich. Als der australische Historiker Christopher Clark in seinem Buch „Die Schlafwandler“ 2012 wieder stärker die Rolle anderer europäischer Großmächte betonte, erntete er gerade in Deutschland heftigen Widerspruch. Historische Forschung lebt von Kontroversen. Das macht Geschichte so faszinierend.

Geschichte ist ein Feld der Möglichkeiten

Daraus ergibt sich eine Vorliebe für ereignisgeschichtliche Darstellungen, die die Offenheit historischer Entwicklungen betonen.

Ein Beispiel: Wir wissen, dass die Monarchie in Deutschland im November 1918 gescheitert ist. Aber 1913, als der letzte deutsche Kaiser sein 25-jähriges Thronjubiläum feierte, gab es in der Bevölkerung keine Mehrheit für die Einführung der Republik. Erst im Laufe des Ersten Weltkriegs begann der Legitimitätsverlust der Monarchie in Deutschland. Eine Geschichte des Kaiserreiches nur aus der Perspektive des Scheiterns zu schreiben ist in meinen Augen problematisch.

Politische Geschichte umfasst aber mehr als „Haupt- und Staatsaktionen“ oder das Leben und Wirken bekannter Persönlichkeiten. Erkenntnisse aus der Sozialgeschichte oder der Mentalitätsgeschichte sind unverzichtbar.

 

Debatte in der Frankfurter Pauslkirche

Eine Debatte in der Frankfurter Paulskirche 1848. Zeitgenössisches Gemälde von Ludwig von Elliott (Wikimedia Commons). Die Revolution von 1848 gehört zu den Themen, die von Historikern immer wieder diskutiert werden. Wie groß waren die Chancen, einen freiheitlichen Nationalstaat in der Mitte Europas zu gründen? Warum scheiterte die Revolution?

Was erwartet Sie auf dieser Website?

Die Themenpalette reicht von biografischen Aufsätzen über den Burgunderherzog Karl den Kühnen (1467-1477) bis hin zu Themen aus der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte wie dem Bruch der sozialliberalen Koalition am 1. Oktober 1982. Die Beiträge wenden sich an historisch Interessierte, die einen Überblick oder einen Einstieg in das Thema suchen. „Fun Facts“ kann und will ich nicht bieten.

Von Zeit zu Zeit fasse ich verschiedene Beiträge zu einem Themenschwerpunkt zusammen. Im Augenblick heißt der Schwerpunkt „Demokratie in Deutschland“. Hier geht es um Aufsätze, die sich mit Institutionen, Personen oder Parteien befassen, die sich seit dem 19. Jahrhundert für eine demokratische Ordnung eingesetzt haben.

Im Bereich Staats- und Verfassungsrecht geht es um Informationen über unsere Verfassungsordnung. Welche Kompetenzen hat der Bundespräsident? Unter welchen Umständen ist eine Änderung des Grundgesetzes möglich? Die Falllösungen sind für Beamtenanwärter des mittleren Dienstes, für angehende Verwaltungsfachwirte und vereinzelt auch für Jurastudenten im ersten Semester geeignet. Im Vordergrund steht die Erstellung eines Gutachtens.

Über mich

Von 1992 bis 1998 habe ich an der Fernuniversität Hagen Geschichte mit den Nebenfächern Jura und Soziologie studiert und den Magisterabschluss erworben. 2007 wurde ich dort mit einer Arbeit über den sozialliberalen Politiker Anton Erkelenz promoviert. Von 2007 bis 2011 hatte ich am Lehrgebiet neuere deutsche und europäische Geschichte einen unbesoldeten Lehrauftrag inne und gab Lehrveranstaltungen für Studienanfänger.

Daneben veröffentliche ich in Fachzeitschriften und in Handbüchern Aufsätze zur Geschichte des deutschen Liberalismus, der Sozialdemokratie, zur deutschen Verfassungsgeschichte im 19. Jahrhundert, zur Revolution von 1848 und zur Weimarer Republik. Im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands bin ich Mitglied.

Die Beiträge werden im Augenblick überarbeitet und teilweise mit Literaturhinweisen versehen.

Für Anregungen danke ich. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

 

Dr. Katharina Kellmann

 

Weiterführende Informationen

Die Empörung über Alex Möllers Ausspruch im Bundestag hat es ans Licht gebracht: Unser Volk ist noch nicht mit seiner Geschichte im reinen. Kein Wunder, denn erst jetzt fangen die Historiker an, den Zusammenhängen zwischen Bismarck-Reich, Weimarer Republik, Drittem Reich und westdeutschem Nachfolgestaat nachzuspüren.: Die Kontinuität der Tradition | ZEIT ONLINE

Ein Artikel des Historikers Imanuel Geiss aus dem Jahr 1970 zum Thema „Kontinuität“ und Fritz Fischer.

Hans-Ulrich Wehler über das Verhältnis von Sozialwissenschaft und Kulturhistorie in der Geschichtsforschung | ZEIT ONLINE

Ein sehr lesenswerter Beitrag von Hans-Ulrich Wehler, einem der führenden Historiker in der Bundesrepublik Deutschland.