Was kann Geschichte leisten? Anmerkungen zu Generalfeldmarschall Erwin Rommel

Was tun Historiker? Sie versuchen, Erkenntnisse über Personen oder Prozesse zu gewinnen, die in der Vergangenheit liegen. Dabei orientieren sie sich an sogenannten „Quellen“: Tagebücher, Briefe, Akten oder auch Aussagen von Zeitzeugen. Diese „Quellen“ müssen nach bestimmten Standards interpretiert werden. Dabei gibt es immer wieder Themen oder Personen, deren Wirken kontrovers diskutiert werden. Zu diesen Persönlichkeiten gehören der deutsche Generalfeldmarschall Rommel (1891 bis 1944).

Erwin Rommel war schon zu seinen Lebzeiten umstritten. Seine militärische Führung wurde von Kameraden kritisiert und geschätzt, von seinen Gegnern nicht selten bewundert. In Deutschland aber beschäftigen sich Historiker oder historisch Interessierte vor allem für die Einstellung des Generals zum Nationalsozialismus.

Das Beispiel Rommel zeigt, dass es nicht einfach nur schwarz oder weiß gibt, sondern dass auch historische Akteure – wie jeder Mensch – sich irren und ändern können. Oder, dass sie vor Situationen stehen, auf die sie keine klaren Antworten finden. Erwin Rommel bewunderte Hitler, hatte aber spätestens 1944 erkannt, dass der Diktator Deutschland in den Abgrund führt. Aber in Rommels Beruf galt auch das Prinzip von Befehl und Gehorsam. Der Generalfeldmarschall fand aus diesem Dilemma keinen Ausweg. Doch er bewies mehr Mut als viele seiner Kameraden.

Auch in Zukunft werden die Meinungen über ihn geteilt bleiben. Was nicht nur etwas über Erwin Rommel aussagt, sondern auch über diejenigen, die sich mit ihm beschäftigen.

Ein unkonventioneller und populärer Soldat

Erwin Rommel war ein passionierter Offizier: mutig, eigenwillig, ehrgeizig, eitel und ein Vorgesetzter, der mit gutem Beispiel voranging. Er unterhielt ausgezeichnete Beziehungen zum Propagandaministerium und war wohl der bekannteste deutsche Truppenführer im Zweiten Weltkrieg.

Sein Führungsstil galt als unkonventionell. Er leitete die militärischen Operationen nicht von einem Stabsquartier aus, sondern fuhr meistens an die Front, wo er manchmal auch das Kommando übernahm. Innerhalb der Generalität war diese Form der Führung umstritten.

Nicht immer brachte dieses Verfahren Vorteile mit sich. Der Oberbefehlshaber einer Armee oder einer Heeresgruppe soll den Überblick über die Lage haben und grundlegende Entscheidungen treffen. Aber Rommel hatte einen Instinkt für krisenhafte Situationen. Als brillanter Taktiker hielt er sich nicht an Lehrbuchweisheiten. Wenn die von ihm geführten Panzerverbände mal wieder die gegnerischen Linien durchbrochen hatten, sprach man in Deutschland davon, es hätte an der Front „getrommelt“. Kritiker warfen ihm vor, er würde seine Operationen nicht mit dem italienischen Oberkommando und den deutschen Führungsstäben abstimmen, sodass es zeitweise zu Nachwuchsproblemen gekommen wäre.

Von 1941 bis zu Beginn des Jahres 1943 konnte Erwin Rommel seine Führungsqualitäten in Nordafrika unter Beweis stellen.

Am Ende des Jahres 1943 erhielt er den Befehl, die Verteidigungsanlagen im Westen zu inspizieren. Die Wehrmachtführung erwartete dort für das Frühjahr 1944 den kriegsentscheidenden Angriff und verlegte seit November 1943 Truppen nach Frankreich.

Im Februar 1944 wurde Rommel der Oberbefehl über die Heeresgruppe B übertragen. Sie lag mit der 7. Armee am Pais de Calais; die 15. Armee war in der Normandie stationiert.

Rommel, der sich in Nordafrika einen Namen als Meister des Bewegungskrieges gemacht hatte, vertrat nun das Konzept, der Strand sei die Hauptkampflinie. Nach seinen Erfahrungen würde die alliierte Luftherrschaft es nicht zulassen, bei Tage größere Truppenbewegungen durchzuführen. Die wenigen Panzerdivisionen sollten so nahe wie möglich an der Küste stationiert werden.

Rommels Vorgesetzter, Generalfeldmarschall von Rundstedt und sein Stab, wollte die gegnerische Landung abwarten und den Gegner mit einem konzentrierten Gegenangriff der Panzerdivisionen ins Meer werfen. Hitler entschied sich für einen Kompromiss: Ein Teil der Panzer wurde Rommel unterstellt, während vier Divisionen als „OKW-Reserve“ nur auf Befehl des Diktators eingesetzt werden durften.

In den Monaten Februar bis Mai 1944 steckte Rommel seine ganze Energie in den Versuch, die Küsten Frankreichs gegen eine alliierte Invasion abzusichern. Gegenüber der Propaganda äußerte sich der Generalfeldmarschall zuversichtlich über die neue Abwehrkraft des „Atlantikwalls“, aber im internen Kreis äußerte er Zweifel, ob es gelingen würde, eine Landung abzuwehren.

Für Anfang Juni sagten die deutschen Meteorologen ein Wettertief voraus; der hohe Seegang würde eine Invasion nicht zulassen. Rommel wollte die Gelegenheit nutzen, um seine Frau, die am 6. Juni Geburtstag hatte, in Herrlingen zu besuchen, um dann in das „Führerhauptquartier“ zu fahren, wo er Hitler Vortrag halten sollte.

An der Invasionsfront

Am Morgen des 6. Juni erhielt der Feldmarschall einen Anruf: Die Alliierten waren in der Nacht zuvor in der Normandie gelandet. Rommel fuhr nicht in das „Führerhauptquartier“, sondern kehrte so schnell wie möglich nach Frankreich zurück. Am Abend des 6. Juni erreichte er das Hauptquartier der Heeresgruppe B.

In den nächsten Tagen musste er feststellen, dass die alliierte Luftüberlegenheit und die Wirkung der britischen und amerikanischen Schiffsartillerie die deutschen Truppenbewegungen entscheidend behinderten. Am 9. Juni war klar, dass es keine Chance mehr auf einen erfolgreichen Gegenstoß gab. Die Abwehr der Invasion war gescheitert.

Rommel konnte nicht mehr, wie in Afrika, eigenständig führen. Mit von Rundstedt war er sich darin einig, dass die deutschen Truppen den Vormarsch der Alliierten nur verzögern konnten. Die deutschen Soldaten konnten dank ihrer taktischen Überlegenheit bis Anfang August die Engländer und Amerikaner aufhalten. Doch am Ausgang des Krieges gab es für Rundstedt und Rommel keine Zweifel mehr.

Rommel tat bis zu seiner schweren Verletzung am 17. Juli 1944 alles, um seinen militärischen Auftrag zu erfüllen. Doch eines unterschied ihn von den meisten deutschen Generälen. Zweimal, am 17. und am 29. Juni 1944, versuchte er dem Diktator klar zu machen, dass der Krieg verloren war. Während die meisten Generalfeldmarschälle oder Armeekommandeure nur hinter vorgehaltener Hand von der drohenden Niederlage sprachen, wies der Befehlshaber der Heeresgruppe B den Oberbefehlshaber der Wehrmacht offen auf die drohenden Konsequenzen hin. Am 29. Juni 1944 verbat sich Hitler bei einer Lagebesprechung diesen Ton und soll Rommel des Raumes verwiesen haben.

In den ersten beiden Juliwochen spitzte sich die Lage zu. Generalfeldmarschall Hans von Kluge hatte Anfang Juli 1944 von Rundstedt als OB West ersetzt. Nachdem es zuerst zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Kluge und Rommel gekommen war, stimmte auch Kluge der Einschätzung von Rommel zu.

Am 15. Juli 1944 verfasste der Befehlshaber der Heeresgruppe B einen Bericht, in dem er den baldigen Zusammenbruch der Westfront voraussagte. Die Truppe würde heldenmütig kämpfen, aber der ungleiche Kampf nähere sich dem Ende. Rommel bat Hitler, „die politischen Konsequenzen“ daraus zu ziehen. General Speidel, der Chef des Generalstabes der Heeresgruppe B, legte dem Generalfeldmarschall nahe, das Wort „politisch“ zu streichen. Rommel folgte dem Rat.

Am 16. Juli 1944 soll Rommel bei einer Lagebesprechung gegenüber einem hohen Offizier der Waffen-SS diesen Plan erneut angedeutet haben: „Auch ich weiß, daß es so nicht mehr weitergehen kann. Aber es sind Verbindungen mit dem Gegner geschaffen, die mich hoffen lassen, daß eine Räumung des besetzten Frankreichs bis zum Westwall planmäßig durchgeführt werden kann.“ (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46369577.html) 

Für den Generalfeldmarschall war wichtig, dass die Amerikaner vor den Russen Berlin erreichten (vgl. David Fraser, Rommel, Berlin, 1995, S. 466). War das ein realistisches Szenario oder der verzweifelte Gedanke eines Mannes, der hoffte, so den mörderischen Krieg beenden zu können? Einmal unterstellt, diese Äußerung ist so gefallen: Hätten alle deutschen Truppen dem Befehl Folge geleistet? Und hätten die westlichen Alliierten ihre sowjetischen Verbündeten im Stich gelassen? Und wie waren die Verbindungen zur feindlichen Seite zustande gekommen?

Die Frage, ob er wirklich versucht hätte, den Krieg durch eine Öffnung der Front zu beenden, muss offenbleiben. Außerdem handelt es sich um Äußerungen von Zeitzeugen.

Es wäre falsch, diese Quellen grundsätzlich auszuschließen. Auch dass Rommel mit einem Angehörigen der Waffen-SS freimütig solche Gedanken erörterte, war nicht abwegig. Innerhalb der Elitetruppe des Regimes zweifelten immer mehr höhere Offiziere am sogenannten „Endsieg“. Aber die Kontaktaufnahme zum Feind – passt das zu einem Mann wie Rommel? Andererseits: Die aussichtslose Lage ließ kaum noch Raum für Alternativen.

Am 17. Juli 1944 wurde der Generalfeldmarschall bei der Rückkehr von einer Frontinspektion schwer verletzt. Alliierte Tiefflieger hatten seinen Wagen beschossen. Rommel wurde in ein Luftwaffenkrankenhaus eingeliefert. Er musste das Kommando über die Heeresgruppe B abgeben und konnte im August 1944 nach Herrlingen zurückkehren, um sich von seiner Verwundung zu erholen.

Zu diesem Zeitpunkt stand Rommel im Führerhauptquartier unter dem Verdacht, er wäre in das Attenta auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 verstrickt gewesen. Hitler entschied, den in der Bevölkerung populären Feldmarschall vor die Wahl zu stellen. Falls Rommel sich das Leben nähme, würde seiner Familie nichts geschehen. Die Ehefrau des Feldmarschalls erhielte die entsprechenden Versorgungsbezüge. Außerdem sollte er ein Staatsbegräbnis erhalten. Oder Rommel müsse sich vor dem sogenannten Volksgerichtshof in Berlin verantworten.

Die Generäle Maisel und Burgdorf hatten dem Generalfeldmarschall den Schierlingsbecher zu überbringen. Sie informierten Rommel am 14. Oktober 1944 über Hitlers Entscheidung. Erwin Rommel wollte seine Familie schützen und entschied sich für den Freitod. Eine Giftkapsel hatten die Schergen des Diktators dabei. Am 14. Oktober 1944 starb Erwin Rommel.

Rommel und der 20. Juli

Nach dem Krieg veröffentlichte Hans Speidel, ab April 1944 Chef des Generalstabes der Heeresgruppe B ein Buch, in dem er seinen ehemaligen Vorgesetzten dem Widerstand zurechnete. Lange Zeit prägte diese Publikation das Bild des Generalfeldmarschalls in der Öffentlichkeit.

Beispielhaft für den Wandel in der Einschätzung Rommels in der Forschung ist ein Sammelband, den Rudolf Lill und Heinrich Oberreuter 1984 mit biografischen Skizzen zum 20. Juli herausgaben. Dieter Ose verfasste darin einen Beitrag über Erwin Rommel (Rudolf Lill, Heinrich Oberreuter, Hrsg., 20. Juli : Portraits d. Widerstands, Düsseldorf 1984, S. 253 – 268). In einer Neuauflage, die in den neunziger Jahren erschien, fehlte der Name Rommel.

Auch Historiker wie Peter Steinbach oder Jörg Echternkamp zählen den Feldmarschall nicht mehr zum Widerstand. Diese Generation wollte die Widerstandsforschung erweitern: Nicht mehr nur der 20. Juli, auch andere bis dahin unbekannte und vernachlässigte oppositionelle Gruppierungen wurden nun zum Gegenstand der Forschung.

Doch die Diskussion um Rommel ist noch nicht abgeschlossen. Der Historiker Peter Lieb vertrat in der Tageszeitung „Welt“ am 25. Oktober 2018 die These: „Rommel stand auf der Seite des Widerstandes“:

„Die Indizienlage spricht somit klar dafür, dass Rommel nicht nur von dem Attentat wusste, sondern sich sogar auf die Seite des Widerstands gestellt hatte. Sicher ist aber auch, dass er an den operativen Planungen des Anschlags nicht beteiligt war. Und unklar bleibt nach wie vor, welche Rolle Rommel konkret während und nach dem Attentat zugedacht war.“ (https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article182645954/Wuestenfuchs-Erwin-Rommel-stand-auf-der-Seite-des-Widerstandes.html)

Lieb konnte neue Quellen auswerten. Zum Beispiel einen Vermerk von Martin Bormann, dem „Sekretär des Führers“. Bormann spielte eine wichtige Rolle bei den Bemühungen des Regimes, die Hintergründe des 20. Juli aufzuklären. Der Generalfeldmarschall soll erklärt haben, er würde „der neuen Regierung nach gelungenem Attentat zur Verfügung stehen“. (https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article182645954/Wuestenfuchs-Erwin-Rommel-stand-auf-der-Seite-des-Widerstandes.html)

Wie verhielten sich andere Generalfeldmarschälle, wenn sie auf eine mögliche Beseitigung Hitlers angesprochen wurden?

Generalfeldmarschall Erich von Manstein soll erwidert haben, er würde jede legale Regierung unterstützen. Generalfeldmarschall Hans von Kluge soll 1943 auf Drängen von Oberst Henning von Tresckow seine Unterstützung bekundet haben. Bei Offiziere wollten sich nicht festlegen.

Folgt man der Quelle, auf die sich Peter Lieb stützt, dann tat Erwin Rommel 1944 genau das. Natürlich bleibt die Frage, wie zuverlässig Aussagen aus Verfolgerakten sind. Und es bleibt die Frage, warum Rommel, auch in den von Lieb zitierten Quellen, das Wort Attentat vermeidet.

Der Zeithistoriker Helmut Krausnick vertrat 1953 die Ansicht, dass Rommel eine Ermordung Hitlers ablehnte, damit der tote Diktator nicht zum Märtyrer würde. Außerdem berichtet Krausnick von Äußerungen des Feldmarschalls aus der zweiten Jahreshälfte 1943, wonach Rommel die Behandlung der Juden durch das Regime abgelehnt hätte. Dies deutet zumindest daraufhin, dass der Feldmarschall die Augen nicht davor verschloss, dass in Deutschland Menschen entrechtet wurden. Krausnick vertrat 1953 die Auffassung, dass sich Rommel nur dadurch von Stauffenberg oder Tresckow unterschieden hätte, dass er ein Attentat abgelehnt hätte. (https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1953_1_4_krausnick.pdf)  

Helmut Krausnick ordnete Rommel dem Widerstand zu, als das Attentat auf Hitler in der deutschen Gesellschaft noch umstritten war – in den frühen fünfziger Jahren.

In der nächsten Generation von Historikern finden wir mit Peter Steinbach und Jörg Echternkamp zwei Vertreter ihres Faches, die darin keinen Akt des Widerstandes sahen. Vielleicht musste man – wie Helmut Krausnick – zumindest die Jahre 1933 bis 1945 bewusst erlebt haben, um das Verhalten Rommels besser verstehen zu können. Krausnick wurde 1905 geboren, trat 1932 der NSDAP bei, kompromittierte sich aber nicht als Historiker, der dem Regime nahe stand.

Es gibt aber noch andere Unterschiede zwischen Rommel und dem engeren Kreis des Widerstandes. Auch Stauffenberg oder Tresckow hatten zuerst mit den Nationalsozialisten sympathisiert. Schließlich entschlossen sie sich zum Widerstand. Bei Rommel bleibt der Eindruck, dass er 1943/44 immer wieder schwankte. Er lehnte 1943 die Ungleichbehandlung der Juden ab, aber hatte trotzdem das Vertrauen zu Hitler moch nicht ganz verloren.

Trieb ihn doch militärischer Ehrgeiz um? Es war bekannt, dass Hitler  noch 1943 mit dem Gedanken spielte, den Oberbefehl über das Heer an Rommel abzugeben. Im Sommer 1943 hielt sich der Feldmarschall – zu diesem Zeitpunkt ohne Kommando – mehrere Wochen im „Führerhauptquartier“ auf. Der Diktator behandelte ihn wie einen Ehrengast.

Wahrscheinlich brachte erst die verzweifelte militärische Lage des Reiches im Juli 1944 Rommel dazu, sich dem Widerstand – der ihn umwarb – anzunähern. Außerdem sah er Hitler kaum noch und konnte deshalb seinem Einfluss nicht erliegen.

Das bedeutet nicht, dass nur der „Militär Rommel“ schließlich seine Bereitschaft erklärte, die neue Regierung zu unterstützen. Aber erst angesichts des drohenden Zusammenbruchs gewannnen die übrigen Zweifel in ihm Oberhand. Und dazu gehörten auch die Verbrechen des Regimes. Der Feldmarschall war kein politisch denkender Mensch und wollte nach dem Putsch auch nicht Reichspräsident werden. Selbst wohlwollende Beobachter hielten ihn für politisch naiv. Rommel erkannte anscheinend nicht, wie systematisch Feinde des Regimes umgebracht wurden. Für ihn verstieß es gegen die Gebote von Anstand und Moral, dass Juden einen gelben Stern tragen mussten. Und möglicherweise sind auch so seine angeblichen Pläne zu verstehen, im Westen die Front zu öffnen.

Die Thesen von Peter Lieb scheinen an Positionen aus den fünfziger Jahren anzuknüpfen, wobei der Historiker Rommel nicht zum engeren Widerstand zählt. Aber das Bild des unkonventionellen Miliärs, der mit den Englänern und Amerikanern nur einen Sonderfrieden anstrebte, wird von Lieb widerlegt.

Auf der Seite des Widerstandes – das bedeutet, dass man in Zukunft auch wieder über Erwin Rommel sprechen muss, wenn vom militärischen Widerstand gegen Hitler die Rede ist. Dieser Feldmarschall riskierte mehr als die anderen Marschälle. Diese Tatsache rechtfertigt, dass man sein Andenken in Ehren hält, ohne ihn zu glorifizieren. Geschichte wird von Menschen gemacht, Menschen, die irren, die ihre Überzeugungen revidieren und dafür etwas riskieren.

Literatur:

David Fraser, Rommel, Berlin, 1995

Peter Lieb: Erwin Rommel: Widerstandskämpfer oder Nationalsozialist? In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 61 (2013), S. 303–343

Manfred Rommel, 1944 – das Jahr der Entscheidung : Erwin Rommel in Frankreich, Leipzig 2010

Hans Speidel, Invasion 1944. Ein Beitrag zu Rommels und des Reiches Schicksal. Wunderlich, Stuttgart 1949.

siehe auch: http://katharinakellmann-historikerin.de/hellmuth-stieff-der-weg-zum-widerstand/

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