Karl Dönitz und der deutsche U-Boot-Krieg 1939 bis 1945

Zwischen 1940 und dem Frühjahr 1943 sah es so aus, als ob Deutschland dank seiner U-Boote den Krieg gewinnen könne. Dann erzwangen Engländer und Amerikaner die Wende. Als der Krieg am 8. Mai 1945 endete, lagen 630 deutsche Boote auf dem Grund des Meeres. 31 000 U-Boot-Fahrer waren gefallen. Wie kam es zu diesen Siegen und warum endete der U-Boot-Krieg schließlich in einer Katastrophe?

1935 bis 1939: Die Anfänge

Im Ersten Weltkrieg brachten deutsche Unterseeboote 1917 England an den Rand der Niederlage. Die britische Marine führte daraufhin das Konvoisystem ein. Die Handelsschiffe überquerten nicht mehr als Einzelfahrer den Atlantik, sondern bildeten Geleitzüge, die von Kriegsschiffen begleitet wurden. Die Abwehrwaffen konnten verbessert werden. 1918 hatten die Westmächte die Krise überwunden. Nun stiegen die Verluste bei den U-Booten.

Der Friede von Versailles 1919 untersagte den Deutschen, eine U-Bootflotte zu unterhalten. Als das NS-Regime 1933 mit der Wiederaufrüstung begann, gehörten Unterseeboote dazu.1935 wurden die ersten Typen in Dienst gestellt. Die Boote konnten noch nicht im Atlantik eingesetzt werden, sondern dienten in erster Linie der Ausbildung.

Zum „Führer der U-Boote“ wurde der Kapitän zur See Karl Dönitz ernannt. Dönitz hatte im Ersten Weltkrieg mehrere Boote kommandiert. Nach Kriegsende setzte er seine Laufbahn als Berufsoffizier in der Reichsmarine fort. Er diente bei den Torpedobooten und in verschiedenen Stabsstellungen. Die taktischen Prinzipien der Torpedoboote übertrug er auf die U-Boote. Sie sollten in Gruppen, sogenannten „Rudeln“ zusammengefasst werden. Hatte ein Boot einen Geleitzug aufgespürt, sollte es per Funk die in der Nähe operierenden Boote informieren und erst einmal Fühlung halten. Waren mehrere Boote zur Stelle, sollte in der Nacht der Angriff über Wasser erfolgen. Dank ihrer schmalen Silhouette konnte man sie in der Dunkelheit nur schwer ausmachen.

Die „Rudeltaktik“ trug der Tatsache Rechnung, dass die U-Boote in Wirklichkeit Tauchboote waren, die nur eine begrenzte Zeit unter Wasser verbringen konnten. Der Typ VII, das Standardboot, konnte bei einer Geschwindigkeit von 4 Knoten 18 Stunden tauchen. Über Wasser erreichten sie bis zu 17 Knoten.

Karl Dönitz schaffte es in kurzer Zeit, eine kleine, aber schlagkräftige U-Boot-Flotte aufzubauen. Innerhalb der Marine bildete die U-Boot-Waffe eine Elite. Ein neues Boot musste ein umfangreiches Übungsprogramm absolvieren. Erst danach begann die Ausbildung mit scharfen Torpedos. An die Besatzungsmitglieder wurden hohe Anforderungen gestellt. Die Verhältnisse an Bord waren beengt. Für 70 Mann gab es nur ein WC. Dönitz führte nicht vom Schreibtisch aus, sondern nahm häufig an den Manövern teil.

Anfang 1939 forderte Dönitz in einer Denkschrift, die U-Boot-Waffe auf 300 Boote auszubauen. In der Marineführung stand man diesen Plänen mit Skepsis gegenüber. Da die Bootsverluste am Ende des Ersten Weltkrieges gestiegen waren, schätzten die Stabsoffiziere in der Seekriegsleitung die Kampfkraft der U-Boote nicht besonders hoch ein. Außerdem waren in der Zwischenkriegszeit die Abwehrwaffen weiter entwickelt worden. Dönitz hingegen glaubte, dass die konsequente Anwendung der „Rudeltaktik“ zu neuen Erfolgen führen würde.

Die Zeit der Erfolge

Anfang September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Dönitz hatte angeordnet, die Prisenordnung zu beachten. Ein gegnerisches Handelsschiff musste erst gestoppt werden. Die Besatzung sollte die Möglichkeit bekommen, in die Rettungsboote zu gehen, um den nächsten Hafen zu erreichen.

Am 3. September 1939 versenkte westlich von Irland U30 unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Lemp den Dampfer „Athenia“. Unter den Passagieren befanden sich auch ungefähr 300 amerikanische Staatsbürger. Lemp gab später zu Protokoll, er hätte die Athenia für einen Hilfskreuzer gehalten. Dönitz deckte dieses Verhalten. Fortan ignorierten alle Krieg führenden Mächte die Prisenordnung.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 1939 drang ein deutsches U-Boot in den britischen Flottenstützpunkt Scapa Flow ein und versenkte ein Schlachtschiff. Nach ihrer Rückkehr wurden der Kommandant und die Besatzung von U 47 wie Filmstars gefeiert.

Trotz dieser Einzelerfolge fiel die Bilanz des U-Boot-Krieges 1939 nicht gut aus. Nur 119 Frachtschiffe wurden versenkt. Nach dem Erfolg von Scapa Flow konnte Dönitz Hitler davon überzeugen, mehr U-Boote zu bauen. Ab 1940 steigerte das Deutsche Reich seine U-Boot-Produktion. Zuerst verließen vier bis fünf Neubauten monatlich die Werften, 1941 ließ man jeden Monat 21 Boote zu Wasser, 1942 wurden monatlich 29 Einheiten produziert.

Im Frühjahr 1940 eroberte die Wehrmacht Frankreich. Brest, Lorient, Saint Nazaire und Bordeaux wurden zu deutschen Flottenstützpunkten. Der Anmarschweg für die Unterseeboote zu den Routen der Geleitzüge im Atlantik verkürzte sich. Im zweiten Halbjahr 1940 errang die U-Boot-Waffe ihre größten Erfolge.

Die Vereinigten Staaten – noch neutral – stellten den Engländern 50 Zerstörer zur U-Bootbekämpfung zur Verfügung. Die Engländer entwickelten ebenfalls neue Abwehrtaktiken. Sie setzten Flugzeuge ein, die ab 1942 mit einem Radargerät ausgestattet waren, dass die Ortung deutscher Boote erleichterte. Nun rächte sich, dass die Boote in der Regel über Wasser marschierten, weil sie so schneller ihre Zielgebiete erreichten. Im Mai 1941 gelang es der Royal Navy, ein beschädigtes Boot zu entern. Ihnen fiel der deutsche Funkschlüssel in die Hände. Fortan fiel es ihnen leichter, den gegnerischen Funkverkehr zu überwachen.

Dönitz verlegte die Operationsgebiete seiner „Rudel“ immer weiter in den Atlantik. Noch besaßen die Alliierten nicht genug Flugzeugträger, um dieses „Luftloch“ zu stopfen. Sie bauten geeignete Schiffe zu Hilfsflugzeugträgern um. Auf Grönland und Island wurden Langstreckenbomber stationiert. Die Zerstörer, die die Konvois begleiteten, erhielten bessere Ortungsgeräte und moderne Wasserbomben. U-Bootjagdgruppen wurden gebildet.

Über die Verhältnisse auf einem Boot hielt Wolfgang Lüth, ein erfahrener Kommandant, 1943 einen Vortrag vor Marineoffizieren:

„Das Leben an Bord ist lange Zeit eintönig. Lange Wochen muss man Misserfolge ertragen können. Das alles verlangt starke Herzen von den Kameraden. Es kommt hinzu, dass das Leben auf einem U-Boot unnatürlich und ungesund ist im Vergleich zu dem Leben auf dem Segelschiff.

Den steten Wechsel zwischen Tag und Nacht gibt es nicht, weil das Licht im Boot dauernd brennen muss. Keinen Sonntag und keinen Wochentag und keinen gleichmäßigen Wechsel der Jahreszeiten. Es tritt der dauernde Klimawechsel hinzu, namentlich auf dem Marsch von einer Klimazone nach der anderen.

Dazu unregelmäßiger Schlaf, da die Nacht die Hauptkampfzeit ist, und für den Vorgesetzten die wochenlang ständige Verantwortung, die andauernd seine Spannkraft erfordert, auch der Mief an Bord, der Krach, der Seegang, das Rauchen und der starke Kaffee, unser geliebter „Mittelwächter“.

Ich habe beobachtet, dass junge Kerls von dreiundzwanzig Jahren innerhalb von zwei Jahren U-Boot-untauglich wurden.“

Immer mehr deutsche Boote gingen 1942 verloren. Engländer und Amerikaner hatten Verluste in Höhe von 8 Millionen Bruttoregistertonnen zu verkraften.

Im März 1943 konnten die Deutschen noch einen Erfolg feiern und zwischen dem 16. und 21. März 16 Schiffe mit ca. 140 000 Bruttoregistertonen versenken.

Im Mai 1943 erzwangen die Engländer und Amerikaner die Wende. 44 deutsche Boote wurden versenkt. Die meisten fielen den alliierten Flugzeugen zum Opfer, gegen deren überlegene Radargeräte es keine Gegenwehr gab.

1943 bis 1945: in der Defensive

Dönitz, mittlerweile zum Großadmiral und Oberbefehlshaber der Kriegsmarine aufgestiegen, hielt Adolf Hitler am 31. Mai 1943 auf dem Obersalzberg Vortrag über die Lage. Er hatte den Booten den Befehl gegeben, den Nordatlantik zu räumen. Eine Fortsetzung der Angriffe auf die Geleitzüge würde nur zu unnötigen Verlusten führen. Der Großadmiral führte die Rückschläge auf die alliierte Luftüberlegenheit zurück. Im Augenblick besäße die Marine keine Gegenmittel gegen die Radargeräte der Engländer und Amerikaner.

Dönitz war keineswegs bereit, den U-Boot-Krieg einzustellen. Zum einen setzte er darauf, mit den U-Booten Kräfte zu binden, die sonst für die alliierten Luftangriffe gegen Deutschland frei geworden wären. Außerdem wollte er seine Boote mit stärkeren Flugabwehrkanonen ausrüsten. Die Techniker der Marine arbeiteten nun an Funkmessgeräten, die die Radarstrahlen der Gegner entdeckten, so dass die deutschen Unterseeboote rechtzeitig tauchen konnten.

Die grundlegende Wende im U-Boot-Krieg erhoffte sich Dönitz von seinen neuen Bootstypen, deren Pläne er am 8. Juli 1943 Hitler präsentierte. Es handelte sich um die Unterseeboote vom Typ XXI und XXIII mit, die dank eines Schnorchels nicht mehr auftauchen mussten. Außerdem war ihre Unterwassergeschwindigkeit deutlich schneller. Bis zu 17 Knoten sollten sie erreichen. Der Typ XXI sollte die Boote der Klasse VII ersetzen und war für längere Operationen geplant. Der Typ XXIII war wesentlich kleiner, denn er sollte mit der Eisenbahn ins Mittelmeer transportiert werden können.

Die Neukonstruktionen stellten einen revolutionären Wurf dar. Die alliierte Luftherrschaft hätte kaum noch eine Rolle gespielt. Hitler veranlasste, dass diese Entwürfe sofort in Serienproduktion gehen sollten. Rüstungsminister Speer unterstützte das Projekt ebenfalls. Im Herbst 1943 lagen die Konstruktionszeichnungen vor, und am Ende des Jahres stand ein begehbares Holzmodell zur Verfügung, dass Dönitz und Speer besichtigten.

Der Rüstungsminister beschritt auch bei der Produktion neue Wege. Die Boote wurden im Inland in Sektorenbauweise gefertigt, da die Werften überlastet waren. Speer glaubte, schon 1944 die ersten Boote ausliefern zu können. 40 Einheiten sollten pro Monat gefertigt werden. Dieses Ziel konnte nicht erreicht werden, da die alliierten Luftangriffe die Produktionsstätten und die Verkehrswege stark beschädigten. Im Herbst 1944 wurden die ersten Boote an die Marine ausgeliefert. Fregattenkapitän Topp, ein hochdekorierter und erfahrener U-Boot-Kommandant sollte die Besatzungen ausbilden.

Schon während der Bauphase traten Probleme auf. Der Zeitdruck, die Bombenangriffe, Mangel an Rohstoffen und die bis dahin unbekannte Sektionsbauweise verzögerten die Auslieferung an die Marine. Bei den Trainingsfahrten in der Ostsee wiesen die Boote zahlreiche Mängel auf. Während der kleinere Typ XXIII noch zum Einsatz kam, konnte das erste Boot vom Typ XXI am 30. April 1945 den Hafen verlassen. Zu diesem Zeitpunkt war der Krieg verloren.

Hitler und die Wehrmachtführung setzten große Hoffnungen auf die neuen Unterseeboote. Als im Sommer 1944 im „Führerhauptquartier“ über die Räumung des Baltikums diskutiert wurde, sprachen sich neben Hitler auch Vertreter der Marine gegen einen freiwilligen Rückzug aus. Das Baltikum lieferte Rohstoffe, und solange es im deutschen Besitz war, konnte die sowjetische Marine nicht in die Ostsee eindringen. Die Seeherrschaft in der Ostsee erleichterte die Ausbildung der neuen U-Boote, die ja so schnell wie möglich eingesetzt werden sollten.

Großadmiral Dönitz hatte vorher schon Hitlers Strategie unterstützt, den Krieg möglichst weit entfernt von den deutschen Grenzen zu führen. Vor Marineoffizieren sprach er sich zu Beginn des Jahres 1944 gegen freiwillige Rückzüge aus, die vom Generalstab des Heeres gefordert wurden.

Hätte der rechtzeitige Einsatz einer größeren Zahl von U-Booten des Typs XXI dem Krieg eine Wende geben können? Wohl kaum. Zwar soll Churchill aufgrund von Agentenmeldung über die technischen Eigenschaften, vor allem die höhere Unterwassergeschwindigkeit, besorgt gewesen sein. Doch 1944 hatte die Wehrmacht zu Land und in der Luft den Krieg bereits verloren. Erfolge im Tonnagekrieg hätten nur die Niederlage hinausgeschoben.

Zwischen dem Mai 1943 und dem Mai 1945 versuchte Dönitz, den U-Boot-Krieg mit den veralteten Typen weiterzuführen. Neben den bereits erwähnten Verbesserungen kam im Frühjahr 1944 der Schnorchel zum Einsatz, ein Luftmast, der es erlaubte, die Motoren aufzuladen, ohne aufzutauchen. Zuerst wurde der Schnorchel von den Besatzungen als Belastung empfunden. Geriet der Kopf des Schnorchels unter Wasser, dann schlossen sich seine Ventile. Die Luft im Innern wurde von den Motoren aufgesaugt. Es kam zu Rissen im Trommelfell oder Vergasungen. Für eine ausgebildete und erfahrene Mannschaft war der Schnorchel kein Problem. Aber die hohen Verluste hatten dazu geführt, dass die Qualität der Besatzungen sank. Zu Beginn des Jahres 1945 stand ein technisch verbesserter Schnorchel zur Verfügung, der auch schwer geortet werden konnte.

Außerdem entwickelte die Marine neue Torpedos, die auf die Geräusche des gegnerischen Schiffes reagierten und so ihr Ziel fanden. Die Alliierten erfanden jedoch Abwehrmaßnahmen, sodass der neue Torpedo nur eingeschränkt wirkte.

In der zweiten Kriegshälfte setzte Dönitz darauf, durch den Einsatz der Boote in entfernteren Seegebieten die alliierten Streitkräfte in Schach zu halten. Die größten deutschen Unterseeboote vom Typ IX D2 konnten im Südatlantik und im Pazifik operieren. An die Erfolge der ersten Jahre konnte die Kriegsmarine nicht mehr anknüpfen. Nun ging es vor allem darum, den Feind zu „beschäftigen“, bis die neuen Waffen einsatzbereit waren. Die hohen Verluste kalkulierte der Großadmiral bewusst ein:

„Trotz Kenntnis von der Schwere der Verluste, trotz vieler Verfolgungen und Strapazen lässt sich der U-Boot-Fahrer nicht unterkriegen. Hart gegen sich und das Schicksal, den Gegner hassend, an seine Waffe und den Sieg glaubend geht es immer wieder hinaus in den ungleichen Kampf.“

Die meisten deutschen U-Boote gingen zwischen 1943 und 1945 verloren. Wenn nicht eine Flugzeugbombe zum Verlust geführt hatte, dann wurden die Boote von Zerstörern mit Wasserbomben verfolgt. Das Unterseeboot versuchte dadurch auszuweichen, dass es immer tiefer tauchte. Offiziell lag die Grenze bei 90 Metern. Es ist jedoch verbürgt, dass einige Boote ca. 250 Meter Tiefe überstanden.

Eine solche Verfolgungsjagd konnte sich über Stunden hinziehen. Das Boot ging zur „Schleichfahrt“ über, um möglichst wenig Geräusche zu erzeugen, die seinen Standort verraten hätten. Der größte Teil der Besatzung war zur Untätigkeit verdammt. Je tiefer das Boot sank, desto stärker lastete der Wasserdruck auf dem Bootskörper. Dadurch entstanden Geräusche, die sich so anhörten, als ob bald die Bordwände nachgeben würden. Je länger die Verfolgung dauerte, desto belastender wurde die Situation für die Besatzung. Wolfgang Lüth kam in seinem Vortrag auch auf diesen Punkt zu sprechen:

„Wenn Wasserbomben kommen, dann schaut alles auf die Offiziere. Das ist eine Binsenwahrheit. Ich habe einen Offizier gehabt mit einem solch trockenen Humor und solcher Ruhe, dass er während einer Wasserbombenverfolgung fest einschlief und erst aufwachte, als ihm verschiedene Armaturen auf den Kopf fielen. Da er Freiwache hatte, schlief er tatsächlich gleich wieder ein und knurrte bloß etwas von „unruhigen Zeiten“. Als wir auftauchten und in ein Minenfeld gerieten, fragte ich ihn: „Was meinen Sie, sollen wir mehr nach Steuer­ oder Backbord halten?“ Ich bekam die treuherzige Antwort: „Das ist egal, wenn wir morgen früh aufwachen, dann sind wir richtig gefahren.“ Das war nicht Schnoddrigkeit, sondern passte zu seiner Kriegernatur.

Von den technischen Maßnahmen zum Halten des Bootes ist hier nicht die Rede, sondern von Kleinigkeiten, auf die es zu achten lohnt.

Neben dem Offizier trägt eine Hauptlast der Funker, der am Horchgerät sitzt und den Zerstörer schon hört, wenn die Besatzung noch nichts davon merkt. Ich verbiete ihm, mir den Zerstörer und seine Bewegungen laut zu melden. Jede Bewegung wird mir durch einen Befehlsübermittler überbracht, von einem ruhigen Mann, der sie mir leise sagt. Das Wort „Zerstörer“ gibt es dabei nicht, es heißt dann nur „kleines Fahrzeug“, damit sich nicht irgendwelche Männer unnütz aufregen.

Man muss es hinkriegen, dass sich die Freiwache hinlegt und schläft. Man muss darauf achten, dass sie auch tatsächlich durch Kali-Patronen atmet; selbstverständlich auch die wachfreien Offiziere, gerade weil es unbequem ist.“

Kommandanten mit Erfahrung gelang es zuweilen, die Verfolger abzuschütteln. Junge Kommandanten hingegen hatten kaum eine Chance.

Karl Dönitz – ein überzeugter Nationalsozialist

Karl Dönitz gehörte zwischen 1943 und 1945 zu den wichtigsten Männern im Dritten Reich. Der Großadmiral unterstützte beinahe uneingeschränkt Hitlers Kriegführung. Im Nationalsozialismus sah er eine positive Kraft, die für den Zusammenhalt des Volkes sorgte und eine Revolution wie 1918 verhindern würde. Da die Revolution mit Befehlsverweigerungen in der kaiserlichen Marine Ende Oktober 1918 begonnen hatte, kam es für Dönitz darauf an, dass „seine“ Waffengattung dieses Mal bis zur letzten Minute geschlossen hinter der Regierung stand. Im Februar 1944 hielt er eine Rede vor höheren Offizieren:

„Wir haben als Offiziere die Verpflichtung, die Wächter dieser Einheit unseres Volkes zu sein. Jede Uneinheitlichkeit würde auf unsere Truppe rückwirken. Über diese Einheit unseres Volkes, die sich im nationalsozialistischen Staat in einem Maße bewährt hat, das früher unvorstellbar gewesen ist, haben wir zu wachen. Jeder Offizier ist verpflichtet dazu und derjenige, der dagegen und damit gegen sein Volk verstößt, muss von mir zerbrochen werden.“

Vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg bekannte er:

„Ich habe in Adolf Hitler die gewaltige Persönlichkeit gesehen, mit einer außerordentlichen Intelligenz und Tatkraft, mit einer geradezu universalen Bildung und einem Kraft ausströmenden Wesen und mit einer ungeheuer suggestiven Kraft.“

Dönitz war kein unpolitischer Soldat, wie er nach dem Krieg behauptete. Die grundlegenden Ideen des Nationalsozialismus bejahte er. Es dürfte kein Zufall sein, dass Hitler ihn am 30. April 1945 in seinem Testament zu seinem Nachfolger machte. Immerhin musste sich nun auch Dönitz den Tatsachen beugen: Der Krieg war verloren. Am 8. Mai 1945 unterschrieb Generaloberst Alfred Jodl, der Chef des Wehrmachtführungsstabes in Reims die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches. Dönitz hielt sich in Kiel auf, wo er eine „provisorische Reichsregierung“ bildete, die von den Engländern bis zum 23. Mai 1945 geduldet wurde. Dann wurden Dönitz und sein „Kabinett“ verhaftet. Ab dem Oktober 1945 musste er sich vor dem Alliierten Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg verantworten.

Karl Dönitz wurde in Nürnberg zu 10 Jahren Haft verurteilt. Wie groß seine Verstrickung in die Verbrechen des Nationalsozialismus war, ist unter Historikern umstritten. Nach seiner Entlassung lebte er bis zu seinem Tode 1980 in Aumühle (Schleswig-Holstein). Die Bundesrepublik gewährte ihm die Pensionsbezüge eines Konteradmirals. Bei seinem Begräbnis verweigerte die Bundesregierung dem Großadmiral ein militärisches Ehrengeleit wegen seiner Rolle im NS-Regime.

Während Karl Dönitz in seinem Grab in Aumühle seine letzte Ruhe fand, endeten die meisten der U-Boot-Fahrer, ungefähr 31 000, irgendwo auf See. Dieses Schicksal teilen sie mit ihren Gegnern, den Soldaten der englischen oder amerikanischen Marine.

Die wahren Helden dieses unmenschlichen Krieges waren jedoch Zivilisten: die Matrosen der Handelsschiffe. Ohne sie hätte England es wesentlich schwerer gehabt, den Krieg zu gewinnen. Ihr Tod war meist schrecklich. Wer nach der Torpedierung seines Schiffes sofort ertrank, musste relativ wenig leiden. Nicht selten aber fingen ihre Schiffe Feuer, und sie verbrannten qualvoll in einem Meer aus brennendem Öl. Oder sie wurden von jenen Wasserbomben zerfetzt, die ihren deutschen Gegnern galten.

Auf einem Seemannsgrab da blühen keine Rosen. Auf den Familiengräbern von verurteilten Kriegsverbrechern und Nationalsozialisten gedeihen sie wohl besser.

Literatur:

Peter Padfield, Dönitz: des Teufels Admiral, Frankfurt/M. 1984

Dieter Hartwig, Großadmiral Karl Dönitz: Legende und Wirklichkeit, Paderborn, München, Wien, Zürich 2006