Die Frühjahrsmode und warum Frau sich für Kosmetik und Politik interessiert

Ja, die Mode. Seit Jahrzehnten ist sie ein Thema. Zumindest für einige Frauen.

Die Mode wechselt mit der Jahreszeit. Heute hat für die Meteorologen der Frühling angefangen

Was trägt Frau also dieses Jahr? Ein Blick in das Internet löste bei mir mittleres Entsetzen aus.

„gofeminin“ kündigt helle Trendfarben an und verkündigt wie ein Dogma, dass diese Farben dann auch mit Blumenmustern kombiniert werden sollen.

Und wer „im Trend“ liegen will, muss eines beachten:

„Wer nächsten Frühling zu den Trendsetterinnen gehören möchte, sollte sich also schleunigst ein Ringelteil zulegen. Besonders trendy: weite Hosen mit etwas breiteren Längsstreifen und Kleider mit dem typischen schwarz-weißen Vichy-Karo.“

„gofeminin“ hat aber noch weitere Drohungen auf Lager: Die achtziger Jahre kehren zurück! Originalzitat:

„Bei den Designern besonders beliebt: Rüschen, Karottenhosen und Lackleder.“ (http://www.gofeminin.de/modetrends/modetrends-fruhjahr-sommer-2017-s1994716.html)

Eine Internetseite, die sich „Modepilot“nennt , zeigt da schon geschmackvollere Kleider, aber neu ist das nicht.

Jetzt stellen die Medien und die Modefirmen nur ein Angebot zur Verfügung – die Kundin ist mündig und kann entscheiden. Und wer den Mut zu dieser Garderobe hat – meinen Respekt!

Geschmäcker sind verschieden. Und ich sage hier nur meine Meinung – ich kann auch völlig daneben liegen.

Ich mag es am liebsten klassisch-dezent – andere Menschen bezeichnen meinen Kleidungsstil als langweilig. Meistens trage ich Etuikleider. „Karottenhosen“ sind mir ein Gräuel. Zu den Trendsetterinnen will ich auch nicht gehören – mit meinen 55 laufe ich doch nicht herum wie ein Fan der schwedischen Popgruppe ABBA in den siebziger Jahren.

Aber eines wundert mich: Warum finden diese gefühlten 397 Mode- und Frauenzeitschriften, die ich in der Warteschlange im Supermarkt sehe, ihre Käuferinnen und Käufer? Welche echten modischen Innovationen hat es seit dem Minirock und der Strumpfhose noch gegeben? Gut; Maxi und Midi waren interessante Variationen. Die Leggins ist für mich kein Kleidungsstück, sondern eine Straftat. Wer so etwas erfunden hat, müsste inhaftiert werden.

Aber zurück zu meiner Frage: Woher kommt dieses Bedürfnis nach Orientierung? Woher kommt der Wusch, „trendy“ zu sein? Dass man attraktiv sein möchte (und sei es auch nur für sich) – warum nicht?

Es gibt in Buch und Film viele Ironisierungen über den Wandel der Mode.

In der Fernsehserie „Kir Royal“ aus dem Jahr 1986 geht es um das Leben eines Boulevardjournalisten in München. Ihm fällt schon lange nichts mehr ein. Da wird in der bayerischen Hauptstadt in Szenekreisen auf einmal der „Marines Look“ aktuell. Die Frauen tragen kurze Haare und paramilitärische Kleidung. Auch die Lebensgefährtin des Journalisten lässt sich dazu verleiten, ihren Stil zu wechseln, was ihre Beziehung zu dem Journalisten ernsthaft gefährdet. In der Filmepisode geht noch um wichtigere Themen, aber diese modische Eskapade sagt einiges über die Branche aus. Am Schluss des Films telefoniert der Besitzer der Boutique, die den „Marines Look“ unter die Frauen gebracht hat, mit dem Journalisten und will ihn für eine Story gewinnen: Bald würde er eine neue Kreation vorstellen, so richtig feminin – ja, so etwas hätte Grace Kelly auch tragen können. Im Hintergrund werfen seine Mitarbeiter die paramilitärischen Kleidungsstücke auf den Müll.

Was in dieser Fernsehserie noch Stil und Charme hat, scheint in den Redaktionen der vielen Zeitschriften nur noch mit der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes erklärt werden zu können. Bald muss die nächste Ausgabe in Druck – und immer noch fehlt ein Titel oder ein Thema, dass die Leserinnen zum Kauf verleiten soll.

Manches, was man da sieht, ist fast so schlimm wie der „Marines Look“. Immerhin versuchen diese Zeitschriften nicht, Grace Kelly zu kopieren.

Also: Meine Herren der Schöpfung, freuen Sie sich auf die Mode der achtziger Jahre, denn die passt zu Ihnen, wenn Sie am Samstagvormittag im Frühsommer 2017 in kurzen Hosen einkaufen gehen und sich dabei so sexy fühlen wie der ehemalige Tennisstar Andre Agassi. Mit Sandalen und weißen Socken bilden Sie dann das optische Gegenstück zur Trendfrau mit den Ringeljeans. Wenn schon schlecht angezogen, dann richtig – auch in der Beziehung.

Ansonsten lebe die Pressefreiheit. Niemand muss diese Gazetten kaufen. Und Frau Brigitte Huber, Chefredakteurin von „BRIGITTE“, dem Zentralorgan des weichgespülten Feminismus für die Mittelschichtsfrau mit Identitätsproblemen, hat immerhin eine Botschaft:

„„Für mich war die Frage, ob sich eine Frau für Politik interessieren kann und trotzdem überlegt, was sie abends kocht, immer unverständlich. Ja, das können wir Frauen. Wir interessieren uns für gefährliche Inhaltsstoffe im Nagellack, aber genauso für die Generation unserer Kinder oder dafür, wie es in einem syrischen Flüchtlingslager aussieht.“  (http://www.tagesspiegel.de/medien/brigitte-huber-macht-brigitte-frau-fuers-leben/8557478.html)

Das hätte ich nie gedacht! Ja, wir interessieren uns für Politik und wir lesen sogar Bücher. Aber ein syrisches Flüchtlingslager will ich mir nicht ansehen. Dann hole ich mir eine Laufmasche und einen Strumpfladen haben die im Flüchtlingslager bestimmt nicht. In der Hitze würde mein Makeup verlaufen und kochen kann ich sowieso nicht.

Das Geld für Frauenzeitschriften spare ich mir; ich verlasse mich auf meinen Geschmack oder notfalls auf die Verkäuferin meines Vertrauens.

Wenn ein freundlicher Herr in kurzen Hosen mich an einem Samstagvormittag zum Kaffee einladen sollte, um mit mir über das Flüchtlingsproblem zu sprechen und mir zu versichern, dass er alleinerziehender Väter wäre, dann bekäme er zur Antwort, dass ich in keiner Weise trendy wäre und auch nicht kochen könne. Meinen Kaffee nähme ich lieber alleine. Für Erziehungsprobleme wäre ich nicht kompetent.

PS.: Nein, das Flüchtlingsproblem ist mir nicht gleichgültig. Aber man muss kein syrisches Flüchtlingslager erwähnen, um kund zu tun, dass man sich nicht nur für Rezepte und Kosmetik interessiert.