Da bin ich ganz bei Ihnen

Da bin ich ganz bei Ihnen: Diesen Satz höre ich in den letzten Monaten immer häufiger, wenn Menschen diskutieren. Ich bin Historikerin und keine Sprachwissenschaftlerin, aber dieses Deutsch macht mich ganz unpässlich. Früher hätte man gesagt, da stimme ich Ihnen zu oder ich bin ganz Ihrer Meinung.

Nein, das reicht nicht mehr aus. Man ist ganz beim Anderen. Will der das überhaupt? In voller Gänze? Der Duden übersetzt dieses Wort mit Ganzheit, aber hier geht es doch nur um den Austausch von Meinungen.

Aber ich will das Thema jetzt nicht aufbauschen; ich habe nicht viel Zeit. Oder müsste ich jetzt sagen, dass mein „Zeitfenster“ begrenzt ist? Hm, ja, es gibt geistreichere Überleitungen. Aber warum öffnen viele Redner heute erst einmal ihr „Zeitfenster“ zu Beginn eines Vortrages? Einfach zu sagen, dass der Vortrag oder das Referat 20 Minuten dauert, ist wohl mittlerweile zu simpel.

Denn es handelt sich um ein „Impulsreferat“. Aber ob der Vortrag oder das Referat wirklich Impulse, also Anstöße, gegeben hat, weiß man vorerst doch gar nicht? Ein „Impulsreferat“ soll kurz und prägnant sein. Ja, das macht die Qualität eines guten Vortrages aus. „Impulsreferat“ – dieser Wortbrei verdient das Prädikat „Doppelplusgut“.

Frau Kellmann, können Sie denn nur noch kritisieren? Nein, das möchte ich gar nicht. Es gibt ein Modewort, das mir gefällt: die To-do-Liste. Früher nannte man das Merkzettel. Merkzettel hört sich an wie Klassenbucheintrag. Aber die To-do-Liste, die hilft mir, den Überblick zu bewahren. Und schon der Klang: tuduliste. Das hat etwas.

Und wenn allein Sie mir zustimmen – gerne. Ganz bei mir sein müssen Sie nicht.