Betroffenheitsmanager

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Gut meinen es zumindest die Betroffenheitsmanager. Heute möchte ich zwei Einrichtungen vorstellen, die zu dieser Gruppe zählen: Die Institution der Gleichstellungsbeauftragten und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Die Gleichstellungsbeauftragte wird in jeder Behörde aus dem Kreis der weiblichen Beschäftigten gewählt, wenn es mehr als 100 Mitarbeiter gibt. Nicht selten sind es Mitarbeiterinnen, die keine Lust mehr auf ihren alten Job haben. In den Wochen vor der Wahl aktivieren sie alte Seilschaften, wärmen erkaltete Freundschaften auf, begründen neue und sind die Gutmenschen schlechthin.

Der praktische Nutzen der Einrichtung Gleichstellungsbeauftragte ist gering, gemessen an dem Aufwand. Aber für die Stelleninhaberin kann es sich lohnen, wenn man Interesse an Dienstreisen hat und gerne hier ein Häppchen, da einen alkoholfreien Sekt und dort einen Workshop mitnehmen will. Man kommt dabei auf viele Überstunden und kann auch zahlenmäßig belegen, was man alles für den Fortschritt der Menschheit leistet. Und man ist wichtig!

Eine weitere, sehr wichtige Voraussetzung ist das Hobby-Therapeuten-Diplom. Man hat zwar keine Ahnung, aber gesinnungsstark und analysefrei erkennt man, was dem Kollegen oder der Kollegin fehlt. Und hilft auch sofort – selbst wenn der oder die Betroffene das gar nicht will.

Ein Blick auf die Homepage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (der Beitrag wurde 2014 oder 2015 geschrieben) zeigt das hilflose Bemühen der dort Beschäftigten, irgendetwas zu tun, denn ansonsten liefe man Gefahr, zu einer ganz normalen Behörde versetzt zu werden. Da gibt es einen runden Tisch gegen Diskriminierung, aber der ist rechteckig. Ganz rund läuft die Sache also nicht.

Oder die Studie gegen sexuelle Belästigung. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes bemängelt, dass jede dritte Frau die Belästigung als „nicht schwerwiegend“ empfindet. Also, Frau Lüders, zuletzt stellte mir in meinem Stammlokal ein Mitbürger mit Zuwanderungsgeschichte eine Frage, die doch etwas zu intim war. Ich meinte nur, es gäbe indiskrete Fragen und indiskrete Antworten – ich hätte nicht vor zu antworten. Er lachte und wir unterhielten uns wieder über Themen, die auf Thekenhöhe liegen.

War das jetzt eine sexuelle Belästigung? Oder habe ich den Mitbürger mit Zuwanderungsgeschichte beleidigt, weil ich an einem Samstag gegen Mitternacht alleine in einer Bar saß? Habe ich ihn zusätzlich wegen seiner ethnischen Herkunft diskriminiert, denn ich fragte ihn, ob er Ausländer sei? Und wenn er mich belästigt hätte, will Frau Lüders mir vorschreiben, ob ich schwerwiegend sexuell belästigt worden wäre?

Um eines klarzustellen: Wer andere beschimpft, beleidigt oder sexuell belästigt, der muss mit Sanktionen rechnen. Einem ausländischen Jugendlichen, der einen deutschen Homosexuellen als „Schwuchtel“ beschimpft, sollten mit einem „Warnschussarrest“ mal die Grenzen aufgezeigt werden. Kein Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis, kein Redeschwall eines Sozialarbeiters, sondern ein Wochenende bei dürftiger Kost. Hat der oder die Betroffene die Lektion begriffen, dann war es das doch!

Genauso sollte es dem Deutschen ergehen, der als „Heinrich Himmler für Arme“ Ausländer mit dem Wort „Kanaken“ belegt. Kein Abenteuerurlaub in Patagonien, sondern eine Woche Laub harken im Park – bei Wind und Wetter. Rücken und so zählt nicht; ist der Rücken geheilt, wird die Maßnahme nachgeholt.

Aber hier breitet sich eine Helferindustrie aus, die der Gesellschaft ihr schlechtes Gewissen nimmt, die Probleme aber nicht löst. Dafür haben wir ja die Betroffenheitsmanager! Und was ist, wenn der Betroffenheitsmanager mit dem Weltbild der größten deutschen Boulevardzeitung durch die Gegend läuft und Sprüche äußert, die diskriminierend sind?

Betroffenheitsmanager sollten endlich wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. Die Mitarbeiter der Antidiskriminierungsstelle kommen dann gleich zur Berliner Straßenreinigung und können dort ihren geistigen Müll aufsammeln. Dann werden sie sehen, wie es ist, wenn sie mit ihren Fürsorgeobjekten aus dem Ausland täglich zusammen sind oder versuchen, der deutschen Dummglatze Benehmen zu vermitteln. Und wenn zwei Müllmänner sich küssen, muss das keine sexuelle Belästigung sein; vielleicht verloben die sich ja gerade. Ist natürlich nicht korrekt während der Arbeitszeit, aber wir waren doch alle mal jung…

Ja, soll man denn gar nichts gegen Vorurteile tun? Ich meine schon, aber wir müssen uns der Tatsache bewusst sein, dass Vorurteile leider zum Wesen des Menschen gehören. Und oft sind es gerade vermeintlich gebildete Menschen, die Blödsinn reden. Ich bin ja tolerant, aber … Da hilft es wirklich nicht mehr, einmal in der Woche die „ZEIT“ zu kaufen.

Zum Wesen des Menschen gehört aber auch die Vernunft. Und wenn wir unsere Vernunft benutzen, dann stellen wir fest, dass ein homosexueller Kollege kein Problem ist. Oder wie sagte schon Konrad Adenauer, der erste deutsche Bundeskanzler, als man ihn auf die vermeintliche Homosexualität seines Außenministers von Brentano ansprach: „Mir ist er noch nicht an die Hose gegangen …“

Soll heißen: Kümmern Sie sich um Ihren Mist!

Manchmal waren die Adenauerjahre doch nicht so reaktionär, will mir scheinen …