Christian IV. von Dänemark

Er wollte Dänemark wieder zur führenden Macht in Nordeuropa machen, doch er scheiterte. Als er starb, hatte sein Land seine Vormachtposition an Schweden verloren und zählte fortan zu den zweitrangigen Mächten in Europa. Trotzdem ist Christian IV. heute in Dänemark immer noch populär. Als Bauherr hinterließ er Spuren, als Soldat bewies er Tapferkeit und wenn fröhlich gebechert wurde, ließ er keine Kanne leer zurückgehen. Ein Aufsatz über einen Herrscher, der nicht ohne Talente war, aber das „Pech“ hatte, auf überlegene Gegner zu treffen.

Ein junger König als Hoffnungsträger

Der dänische König war zu Beginn des 17. Jahrhunderts kein absoluter Herrscher. Er wurde – zumindest formal – vom Reichsrat gewählt und gab vorher in einer „Handfeste“ ein Regierungsprogramm ab. Der Monarch konnte wichtige Entscheidungen – zum Beispiel – eine Kriegserklärung – nur mit Zustimmung des Reichsrates abgeben. 23 Mitglieder aus Hochadel und Klerus gehörten dieser Institution an.

Zum Königreich Dänemark gehörten das heutige Norwegen und die Ostseeinseln Bornholm, Gotland, Ösel und Teile des heutigen Südschwedens. Der dänische König hatte auch die Ämter des Herzogs von Schleswig und des Herzogs von Holstein inne. Als holsteinischer Landesherr war er dem deutschen Kaiser lehenspflichtig, sodass Christian IV. auch zu den Fürsten des Heiligen Römischen Reiches gehörte.

Der junge Christian wird als intelligent und ehrgeizig beschrieben. Er hatte erkannt, dass Dänemark ein stehendes Heer benötigte, was aber nur mit Zustimmung des Reichsrates möglich war. Außerdem wollte er den Einfluss des Staates auf die Wirtschafts- und Gewerbepolitik stärken. Steuern konnte er nur mit Zustimmung des Reichsrates erheben. Zum Glück verfügte die dänische Monarchie über eine Einnahmequelle, die der Zuständigkeit des Hochadels und des Klerus entzogen war: den Sundzoll, eingeführt von König Erik im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts. Der Öresund war eine wichtige Wasserstraße zwischen der dänischen Insel Seeland und der schwedischen Südküste. Handelsschiffe, die in die Ostsee einlaufen wollten, mussten diesen Zoll entrichten. Aber auch die anderen Zufahrtswege zwischen Nord- und Ostsee (der „Kleine Belt“ und der „Große Belt“) waren zollpflichtig. Dänemark konnte im 15. Jahrhundert aufgrund seiner Machtstellung diese Abgabe durchsetzen. Staaten wie England und Holland, die im 16. Jahrhundert zu Seemächten aufgestiegen und am Handel mit Schweden, Polen und Russland interessiert waren, mussten diesen Zoll entrichten.

Das dänische Staatsgebiet umklammerte Schweden geradezu. Die norwegische Finnmark versperrte Stockholm den Zugang zum Eismeer. Dänemark hatte mehr Einwohner als Schweden; seine Wirtschaft war leistungsfähiger. Der norwegische Teil des Reiches lieferte Holz für den Schiffbau, das die europäischen Seemächte dringend benötigten. Die dänische Landwirtschaft erzeugte Überschüsse, die nach Westeuropa exportiert wurden.

Zu Beginn seiner Herrschaft wollte Christian mit einer aktiven Außenpolitik dem Rivalen Schweden zeigen, wer im Norden Europas das Sagen hatte. Die Chancen schienen günstig zu sein. 1599 nahm eine dänische Flotte unter dem Kommando des Monarchen Kurs auf Nordnorwegen. Er wollte damit den Machtanspruch seines Landes in diesen Gewässern demonstrieren.

Der nördliche Teil des dänischen Reiches blieb ein Konfliktherd. Dort lebte ein Nomadenvolk, die Lappen. Schweden hatte versucht, sie zu besteuern, was Dänemark als Herausforderung verstand. Zudem hatte sich der schwedische König 1607 als Herrscher über das Nomadenvolk bezeichnet. Die Steuereinnahmen waren gering, aber der Machtanspruch verletzte dänische Interessen. Außerdem gründete Stockholm mit der Stadt Göteborg einen Hafen nördlich des Sunds, der für Engländer und Holländer attraktiv werden könnte. Beide Seefahrermächte waren an schwedischen Produkten interessiert und hätten sich so den Sundzoll sparen können.

Seit 1604 drängte Christian IV. auf einen Krieg gegen Schweden. Der Reichsrat wollte eine Verhandlungslösung. 1611 erklärte der dänische Monarch den Krieg. Er hoffte auf einen schnellen Sieg, zumal der Nachbar noch mit Polen in bewaffnete Konflikte verstrickt war.

Die dänische Marine blockierte die schwedische Küste. Christian IV. drang mit einem Heer in Südschweden ein, stieß jedoch auf erbitterten Widerstand. Die Bauern, von denen der dänische Monarch glaubte, sie würden sich als „Ostdänen“ verstehen und ihn unterstützen, hegten keine Sympathien für die Eroberer. Am 2. August 1611 fiel die schwedische Festung Kalmar. Der 61-jährige schwedische König Karl forderte Christian zum Zweikampf heraus, doch der lehnte nur höhnisch ab. Karl IX. starb am 30. Oktober 1611 und sein Sohn Gustav Adolf trat die Nachfolge an. Mit ihm erwuchs dem dänischen Monarchen ein schwerer Gegner.

Gustav Adolf von Schweden verzichtete auf den Titel eines Königs der Lappen. Außerdem profitierte er davon, dass England und Holland kein Interesse an einer schwedischen Niederlage hatten. Es lag nicht in ihrem Sinne, dass Dänemark fortan den Seehandel im Ostseeraum kontrollierte. Christian IV. überschätzte seine Machtposition und seine militärischen Fähigkeiten.

Zwar konnte Gustav Adolf in diesem Krieg noch nicht seine Qualitäten als Heerführer unter Beweis stellen, aber den dänischen Truppen, meist Söldnern, gelang in Schweden kein entscheidender Erfolg. Die einheimischen Bauern führten eine Art Partisanenkrieg gegen sie. Der dänische Feldzug im Sommer 1612 geriet zum Fiasko. Nur der Überlegenheit seiner Marine hatte es Christian IV. zu verdanken, dass im November 1612 Friedensverhandlungen eingeleitet wurden; im Hintergrund hatte Jakob I. von England beiden Parteien eine Beendigung des Konflikts nahegelegt.

Die dänische Seite forderte bei den Verhandlungen zuerst umfangreiche Gebietsabtretungen. Schweden antwortete mit dem Aufmarsch einer neuen Armee. Der Reichsrat und die englischen Unterhändler verhinderten eine Eskalation; Christian musste auf seine Gebietsforderungen verzichten. Im Frieden von Knäred verpflichtete sich Schweden, eine Millionen Reichstaler zu zahlen. Die Kriegsentschädigung sollte in sechs Jahren abgezahlt werden. Schwedische Handelsschiffe mussten fortan auch den Sundzoll entrichten.

Nach außen hin stand Christian IV. als Sieger da. Er hatte die wirtschaftliche Machtposition seines Landes gesteigert. Aber er profitierte davon, dass Gustav Adolf noch in Polen Krieg zu führen hatte und England dem schwedischen Monarchen ein Einlenken nahelegte. Eine genaue militärische Analyse des Krieges hätte gezeigt, dass die angeworbenen Söldner in dänischen Diensten ein gut ausgebildetes stehendes Heer nicht ersetzen konnten. Auch wenn beide Monarchen nicht in einer Schlacht aufeinandergetroffen waren; Christian IV. hatte als militärischer Führer nicht überzeugt. Die starke dänische Marine sicherte einen Frieden, der Kopenhagen Vorteile einräumte. Doch sein eigentliches Ziel, Schweden vernichtend zu schlagen, hatte Christian IV. nicht annähernd erreicht.

Nach dem Frieden von Knäred stand Christian auf dem Höhepunkt seiner Macht. Doch seine Position war nicht so stark, wie er glaubte.

Der niedersächsisch-dänische Krieg

Welche Motive bewogen Christian, sich in jenen Krieg einzumischen, der als Dreißigjähriger Krieg in die Geschichte eingehen sollte?

Der Dänenkönig sah in Norddeutschland eine Möglichkeit, die Machtposition seines Landes zu verbessern. Dass ein König auch ein erfolgreicher Feldherr sein müsse, war im 17. Jahrhundert eine weitverbreitete Auffassung. Christian IV. versuchte, seinen Einfluss an Elbe und Weser auszuweiten. Mit Sorge sah man in Kopenhagen auch, dass Schweden unter Gustav Adolf zu einem ernsthaften Rivalen im Kampf um die Vorherrschaft in der Ostsee geworden war.

Aber der Ehrgeiz Christians alleine wäre eine zu einfache Erklärung. Der Ostseeraum entwickelte sich immer mehr zu einer Wirtschaftszone, die für Westeuropa Bedeutung hatte. Da Dänemark dieses Meer beinahe zur Binnensee machte, weil es die Ausgänge in die Nordsee kontrollierte, zählte das Land als Machtfaktor.

Christian IV. hatte zudem seine Flotte vergrößert und die Festungen seines Heimatlandes verstärken lassen. Der Aufbau eines modernen stehenden Heeres war jedoch am Reichsrat gescheitert. Als Herzog von Holstein zählte der Dänenkönig zu den deutschen Reichsfürsten. Die im Niedersächsischen Reichskreis organisierten protestantischen Reichsstände Norddeutschlands suchten einen Kreisobristen, der militärisch stark genug war, um ihre Ländereien zu verteidigen. 1618 hatte jener Krieg begonnen, der als Dreißigjähriger in Erinnerung bleiben sollte und in den ersten Jahren konnte die katholische Seite Sieg auf Sieg erringen. Auch Norddeutschland schien nun bedroht. Nach seiner Wahl zum Obersten des Niedersächsischen Reichskreises schloss Christian ein Bündnis mit England und den Generalstaaten (den Niederlanden, die Verfasserin).

Dänemark konnte 14 000 Soldaten ins Feld führen. Weitere 14 000 Mann sollte der Niedersächsische Reichskreis stellen, knüpfte dies jedoch an die Bedingung, dass die Soldaten nur zur Verteidigung eingesetzt würden.

Christian hielt sich jedoch nicht daran und marschierte in Richtung Westfalen. Die nächsten beiden Jahre zeigten, dass diese Machtpolitik Dänemark überforderte. Bei Lutter am Barenberge erlitt er 1626 gegen die Armee der katholischen Liga unter dem Kommando von Graf Tilly eine schwere Niederlage. Der König erwies sich als tapferer Soldat, stürzte sich in das Getümmel, war aber einem der fähigsten Generäle in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nicht gewachsen. Als er 1628 bei Wolgast auch von Wallenstein, dem anderen großen Heerführer der katholischen Partei, geschlagen worden war, musste Christian IV. erkennen, dass Dänemark den Krieg verloren hatte.

Gustav Adolf von Schweden, mittlerweile zum Eingreifen in Deutschland entschlossen, bot dem Dänenkönig bei einem Treffen Unterstützung an. Aber Christian nutzte die Situation, um zu einem für sein Königreich günstigen Frieden zu kommen. Er hatte eingesehen, dass sein Land militärisch überfordert war. Wallenstein, der für den Kaiser die Friedensverhandlungen führte, brachte einen Vertrag zustande, der vom Historiker Hellmut Diwald als maßvoll und staatsmännisch bezeichnet wurde. Christian IV. musste sich im Frieden zu Lübeck verpflichten, von seinem Amt als Kreisobrist zurückzutreten und sich nicht mehr in deutsche Belange einzumischen.

Fortan blieb das protestantische Dänemark neutral, ja neigte fast der kaiserlichen Seite zu. Der dänische König hatte einen verlorenen Krieg mit einem glimpflichen Frieden beendet. Durch sein Treffen mit Gustav Adolf hätte er der katholischen Seite angedeutet, über Alternativen zu verfügen. In Wirklichkeit war er zu einer Allianz mit Stockholm nicht bereit gewesen, einer Allianz, in der er nur noch Juniorpartner hätte sein können.

Klar war aber auch, dass Dänemark nun im Wettrennen mit Schweden deutlich an Boden verlor. Die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, starke Gegner, die mangelnde Unterstützung des Reichsrates und seiner Verbündeten führten dazu, dass Dänemark den niedersächsisch-dänischen Krieg verlor. Zum ersten Mal wurde deutlich, dass eine expansive Großmachtpolitik die Möglichkeiten des Landes überstieg. Im Wettbewerb mit Schweden fiel Dänemark deutlich zurück.

Der Friede von Lübeck hatte das Misstrauen der Schweden gegen Christian IV. verstärkt. Ab 1630 kämpften schwedische Truppen in Deutschland. Unter der Führung von Gustav Adolf schlugen sie mehrmals das Heer der katholischen Liga. 1632 zog der Schwedenkönig in München ein. Die militärischen Erfolge des Kaisers und der mit ihm verbündeten Reichsfürsten zwischen 1618 und 1629 waren wertlos geworden. Zwar fand Gustav Adolf im November 1632 in der Schlacht bei Lützen den Tod, aber bis 1648 kämpften schwedische Armeen meist erfolgreich auf deutschem Boden.

Der dänische Monarch hingegen suchte nun die Nähe zum ehemaligen Gegner. Auf diplomatischem Wege unterstützte er den Kaiser im Kampf gegen die Schweden. Am 19. Mai 1643 diskutierte der Reichsrat in Stockholm unter der Leitung von Kanzler Axel Oxenstierna über einen Krieg gegen Dänemark. Am 20. Juni 1643 machte Oxenstierna in einem Brief an seinen Sohn Johan keinen Hehl aus seinem Hass gegen Christian IV.:

„Was uns der König von Dänemark an Tort (Kränkung, die Verfasserin) zugefügt hat und auf welche Weise er uns auf die Zehen getreten ist, welche Intrigen er mit unseren Feinden und Nachbarn zu unserem Schaden gesponnen hat und auf welche Weise er nach unserem Blut und Untergang trachtet, das weißt du seit Langem. In diesem Jahr hat er uns behandelt, als seien wir seine Sklaven und das Land sein Eigentum, und hat uns angetan, was er für gut findet, ohne an Freundschaft, Rechtschaffenheit, Bündnis, Vereinigung und das übrige gewöhnliche Verhalten zu denken, was nicht ausgehalten werden kann ohne unterzugehen.“

Christian IV. verfügte zwar nicht mehr über militärische Macht, aber der Monarch galt als geschickter Herrscher, der die Interessen seines Landes zu wahren wusste. Dass er jedoch 1643 den Untergang Schwedens anstrebte, ist grob übertrieben und kann eher als propagandistische Rechtfertigung der bevorstehenden militärischen Operationen betrachtet werden. Oxenstierna war aber nicht der Einzige, der in Schweden an einen Entscheidungskampf mit Dänemark dachte. Die Chancen schienen günstig zu sein: Das Land war mittlerweile militärisch den Dänen deutlich überlegen. In schwedischen Häfen lagen neue Kriegsschiffe. Das Heer, dessen größter Teil in Deutschland kämpfte, galt als die beste Armee in Europa. Vor allem verfügte die skandinavische Großmacht über fähige Truppenführer. Tilly und Wallenstein, auf katholischer Seite die Einzigen, die ihnen Paroli zu bieten vermocht hätten, waren tot. Die bayerische Armee vermochte sich noch am ehesten gegen Schweden und das mit Schweden verbündete katholische Frankreich zu behaupten.

Die „Torstenssonkrieg“ wurde von der schwedischen Führung angezettelt, um mit Christan IV. alte Rechnungen zu begleichen. Dass der Dänenkönig sich 1629 einer Allianz mit Gustav verweigert hatte, dass er in den Jahren danach mit dem Kaiser in Kontakt stand – seinem Gegner aus den Jahren 1625 bis 1629 – das alles wurde von den verantwortlichen Politikern in Schweden so interpretiert, als ob Christian IV. immer noch als Sieger zu Pferde in Stockholm einziehen wollte. Doch gerade Schweden trug mit dazu bei, dass der Krieg auf deutschem Boden immer weiterging. Christian mochte manchen Schachzug von Oxenstierna vereitelt haben, und gerade dass erzeugte den Hass des Reichskanzlers.

Die „Torstenssonkrieg“

Am 23. September 1943 erhielt Lennart Torstensson, Oberbefehlshaber der schwedischen Armee auf dem Kontinent in seinem Hauptquartier Schloss Eulenburg (im heutigen Tschechien) Post aus Stockholm. Ihm wurde befohlen, durch Deutschland nach Norden zu marschieren Der schwedische Kriegsplan sah einen Angriff aus drei Richtungen gegen Dänemark vor. Neben dem Hauptstoß, den Torstenssons Armee zu führen hatte, sollte in Schweden ein zweites Heer die dänischen Positionen in Südschweden überrennen. Von Pommern aus war eine Invasion Seelands geplant, jener Insel, auf der die dänische Hauptstadt Kopenhagen lag. Nun wollten die schwedischen Politiker das tun, was 1611 Christian vorschwebte: Der Gegner sollte vernichtet werden.

Der schwedische Historiker Peter Englund kommt zu dem Urteil: „Der Plan war gewagt und bewegte sich an der Grenze zur Frechheit.“ Dass Dänemark zu Lande keinen Widerstand leisten konnte, war klar, aber Schweden benötigte zur See einen Verbündeten. In Stockholm hoffte man auf die Niederländer, die unter dem Sundzoll zu leiden hatten: 1644 sollten sich dann niederländische Schiffe, die privat finanziert wurden, an der Auseinandersetzung beteiligen.

Christian IV. unterschätzte die Gefahr. Schließlich hatte Schweden nicht mit einem Krieg gedroht. Es war Herbst, eine Zeit, in der die Truppen normalerweise in die Winterquartiere gingen. Torstensson, der diesem Krieg seinen Namen geben sollte, trieb seine Soldaten in Eilmärschen Richtung Jütland. Am 12. Dezember 1643 erreichten seine Soldaten Holstein, formal ein Teil des Heiligen Römischen Reiches. Bis Ende Januar 1644 hatten die die schwedischen Truppen Jütland besetzt, jenen Teil Dänemarks, der wie ein Finger in das Meer ragte.

In Stockholm waren die Verantwortlichen über den schnellen Vormarsch überrascht. Der ursprüngliche Kriegsplan mit einem Angriff von drei Seiten musste aufgegeben werden. Die Offensive gegen Seeland fiel weg. Am 16. Februar 1644 erklärte Schweden offiziell den Krieg. Während Torstensson in Jütland wütete, griff eine schwedische Armee unter dem Kommando von Gustav Horn die dänischen Stellungen in der Provinz Schonen im heutigen Südschweden an und erreichten Helsingborg an der Küste der Nordsee. Dänemark schien geschlagen.

Doch die Bauern in Jütland und in Schonen wehrten sich verzweifelt. Waren die Dänen 1611/1612 in Schonen auf Widerstand gestoßen, so wehrten sich nun auch Bauern gegen die schwedischen Invasoren.

In dieser Situation wurden die Stärken Christians deutlich. Unter seiner Führung siegte die dänische Marine in der Seeschlacht auf der Kolberger Heide (ein küstennahes Seegebiet in der westlichen Ostsee) über ihren Gegner. Im Herbst 1644 sah es nicht mehr gut aus für Schweden. Torstensson hatte Jütland geräumt und auch die schwedischen Truppen unter General Horn kamen nicht weiter.

Doch während der Krieg zu stagnieren schien, eilten niederländische Kriegsschiffe den Schweden zur Hilfe. Sie trugen die schwedische Flagge am Mast. Der Kaufmann Louis de Greer hatte sie finanziert – die Generalstaten nahmen also offiziell nicht am Krieg teil. Trotzdem stellte das „schwedische Geschwader“ eine wichtige – und wie sich zeigen sollte – entscheidende Unterstützung für Stockholm dar.

Am 13. Oktober 1744 griffen 41 schwedische Kriegsschiffe 17 dänische überraschend an und konnten einen wichtigen Sieg erringen. Nur zwei dänische Einheiten entkamen.

Auf beiden Seiten konnten sich nun diejenigen durchsetzen, die zum Frieden rieten. Dänemarks Kassen waren leer; seine Truppen geschlagen, seine Flotte vernichtet. Aber auch Schweden konnte den Krieg nicht ungehindert fortsetzen. Die französischen Hilfsgelder flossen für den Krieg in Deutschland. Paris wollte nicht den Entscheidungskampf zwischen Paris und Stockholm finanzieren.

Am 13. August 1645 wurde in Bromsebö der Friede geschlossen. Dänemark musste die Inseln Gotland und Ösel in der Ostsee abtreten, dazu zwei wichtige Provinzen Norwegens. Der Sundzoll galt nicht mehr für schwedische Handelsschiffe. Schweden hatte im Ostseeraum die Vormachtstellung errungen. Christian IV. war besiegt.

Ein König, der zu viel wollte?

Drei Jahre später starb der König, der sein Land zu neuer Größe führen wollte, aber bei seinem Tod ein geschwächtes Dänemark hinterließ. Gemessen an den Ergebnissen seiner Politik, war der Monarch gescheitert. Er überschätzte die Möglichkeiten seines Landes und seine eigenen Fähigkeiten. Die Erhöhung des Sundzolls in den dreißiger Jahren war ein schwerer Fehler und führte dazu, dass die Niederlande endgültig an die Seite Schwedens traten.

Im Gegensatz zu Gustav Adolf war Christian kein großer Feldherr. An Tapferkeit stand er dem schwedischen Monarchen nicht nach. Im Gegensatz zu ihm war er jedoch er kein absolutistischer Herrscher. Immer musste Christian IV. den Reichsrat konsultieren, während die gleichnamige Institution in Schweden keinen großen Einfluss auf die Politik nehmen konnte. Das Tauziehen zwischen Monarch und Reichsrat in Dänemark behinderte die dänische Politik.

Christian IV. war ein König, der über Fähigkeiten und Talente verfügte. Er hatte erkannt, dass sein Land modernisiert werden musste und dass Dänemark ein stehendes Heer benötigte. 1629 gelang es ihm, einen verlorenen Krieg mit einem erträglichen Frieden zu beenden.

Wahrscheinlich hätte auch eine friedlichere Politik den Entscheidungskampf zwischen Kopenhagen und Schweden nicht verhindert. Unter Gustav Adolf (1611 bis 1632) setzte Stockholm auf Krieg und Sieg. Sich „auf dem Feld der Ehre“ zu behaupten, gehörte zu den Eigenschaften, die ein Monarch mitbringen musste. Schweden war Dänemark insgesamt militärisch überlegen – die schwedischen Bauernsoldaten und das schwedische Offizierkorps, von Gustav Adolf geformt, sollte im 17. Jahrhundert eine führende Rolle in Europa einnehmen.

Positiv blieb Christian als Bauherr in Erinnerung. Und als König, der sich in mehreren Schlachten tapfer schlug und dabei auch ein Auge verlor. Die dänische Königshymne, die gespielt wird, wenn Mitglieder des Königshauses an offiziellen Anlässen teilnehmen, beginnt mit den Zeilen:

„König Christian stand am hohen Mast,

in Rauch und Dampf.

Sein Schwert hämmerte so fest,

dass Helm und Hirn des Goten barst.“

 

Literatur:

Peter Englund, Die Verwüstung Deutschlands. Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, 4. Aufl., Stuttgart 2001

Jörg-Peter Findeisen, Christian IV. – Zwischen Mythos und Wahrheit, Kiel 2014